Cannabis-Präparate bei chronischen Nervenschmerzen: Wirksam oder nicht?
Chronische Nervenschmerzen: Ein hartnäckiges Problem
Chronische Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind ein großes Problem für viele Menschen. Sie entstehen durch Schäden an den Nerven, zum Beispiel nach einem Bandscheibenvorfall, bei Diabetes oder nach einer Chemotherapie. Oft helfen herkömmliche Schmerzmittel nicht. Deshalb setzen viele Hoffnung in Cannabis-Präparate. Seit 2017 dürfen Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben, wenn andere Therapien nicht wirken.
Die Cochrane-Review: Was wurde untersucht?
Eine aktuelle Meta-Analyse der Cochrane-Organisation hat untersucht, ob Cannabis-Präparate bei chronischen Nervenschmerzen helfen. Die Forscher um Gülay Ateş von der RWTH Aachen haben 21 Studien mit insgesamt 2.187 Teilnehmern ausgewertet. Dabei wurden verschiedene Cannabis-Präparate getestet: solche mit dem psychoaktiven Wirkstoff THC, solche mit dem nicht-psychoaktiven CBD und Kombinationspräparate mit beiden Wirkstoffen.
Ergebnisse: Kein klarer Vorteil gegenüber Placebos
Die Auswertung der Studien zeigte: Keines der getesteten Cannabis-Präparate wirkte deutlich besser als ein Placebo. Bei den Kombinationspräparaten gab es zwar Hinweise auf eine mögliche schmerzlindernde Wirkung, aber die Qualität der zugrundeliegenden Studien war gering. Viele Studien waren zu kurz und schlossen Patienten mit schweren Begleiterkrankungen aus. Das macht die Ergebnisse weniger aussagekräftig.
Nebenwirkungen: Nicht zu unterschätzen
Cannabis-Präparate sind nicht frei von Nebenwirkungen. Besonders die Kombinationspräparate mit THC und CBD führten bei fast zwei Dritteln der Teilnehmer zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Schläfrigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. In der Placebo-Gruppe traten diese Nebenwirkungen nur bei etwa einem Viertel der Teilnehmer auf.
Fazit: Mehr Forschung ist nötig
Die Autoren der Studie betonen, dass die aktuellen Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig sind. Die Qualität der meisten Studien ist zu gering, um verlässliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Es braucht größere und länger angelegte Studien, die auch Patienten mit Begleiterkrankungen einschließen. Erst dann lässt sich sicher sagen, ob Cannabis-Präparate bei chronischen Nervenschmerzen wirklich helfen.