Chinas strategische Neuausrichtung in der globalen Ordnung: Zwischen Multilateralismus und autoritären Bündnissen
Der Rückzug der USA und Chinas Aufstieg
Auf dem UN-Klimagipfel 2025 hielt Chinas Präsident Xi Jinping eine Videobotschaft, während die USA unter Präsident Donald Trump der Konferenz fernblieben. Dieser Rückzug ist Teil einer größeren Strategie: Seit Januar 2025 haben die USA 66 multilaterale Organisationen verlassen, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Klimarahmenübereinkommen (UNFCCC). Trumps Begründung lautet, dass diese Institutionen nicht mit den nationalen Interessen der USA vereinbar seien. Währenddessen positioniert sich China als verlässlicher Partner in der internationalen Gemeinschaft und empfängt Staatschefs aus Kanada, Finnland und Großbritannien. Xi Jinping betonte in diesen Gesprächen die Notwendigkeit einer „gleichberechtigten und geordneten multipolaren Welt“ – eine klare Abgrenzung zum unilateralen Kurs der USA.
Chinas wachsender Einfluss im Globalen Süden
Eine aktuelle Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) zeigt, dass Befragte aus 21 Ländern, darunter zehn EU-Mitgliedstaaten, einen zunehmenden globalen Einfluss Chinas in den nächsten zehn Jahren erwarten. Experten wie Claus Soong vom Mercator Institute for China Studies (MERICS) bestätigen diese Einschätzung: Das Machtgefälle zwischen China und den USA verringert sich zusehends. Ein zentrales Element von Chinas Strategie ist die „Belt and Road Initiative“ (BRI), ein Infrastrukturinvestitionsprogramm, das seit 2013 Chinas Einfluss in Asien, Afrika, Europa und Lateinamerika ausbaut. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen durch US-Zölle verzeichnete China 2025 ein Wachstum von fünf Prozent und blieb Exportweltmeister – vor allem dank starker Exporte in Nicht-US-Märkte wie Südostasien.
Anpassung der BRI und wirtschaftliche Resilienz
Angesichts finanzieller Risiken hat China seine BRI-Strategie umgestaltet. Statt großer, kapitalintensiver Projekte setzt Peking nun auf kleinere, gezielte Investitionen. Diese Anpassung soll die Verschuldung der Partnerländer begrenzen und gleichzeitig Chinas wirtschaftliche Präsenz sichern. Die Umstellung zeigt, dass China langfristig plant und flexibel auf externe Herausforderungen reagiert. Gleichzeitig unterstreicht die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Chinas die strategische Bedeutung des Globalen Südens, der als Gegengewicht zum westlichen Druck dient.
Autoritäre Allianzen und ihre Grenzen
China pflegt enge Beziehungen zu autoritär regierten Staaten wie Russland, Nordkorea und dem Iran. Diese Gruppe, bekannt unter dem Akronym „CRINK“ (China, Russland, Iran, Nordkorea), tritt in der UN-Generalversammlung oft geschlossen auf, insbesondere bei Themen wie Menschenrechten oder dem Ukraine-Krieg. Sabine Mokry vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg betont jedoch, dass diese Zusammenarbeit primär gegen die USA gerichtet ist und nicht auf gemeinsamen Werten basiert. Misstrauen zwischen den Partnern bleibt bestehen, was die Stabilität dieses Bündnisses infrage stellt.
Chinas selektives Engagement in internationalen Institutionen
Trotz seines Engagements in multilateralen Organisationen verfolgt China keine globale Vorherrschaft. Vielmehr geht es um den Machterhalt der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Analysten wie Mokry argumentieren, dass Chinas Ziel nicht darin besteht, die von den USA dominierte Weltordnung zu ersetzen, sondern den US-Einfluss in strategisch wichtigen Regionen – insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum – zu verringern. Dies zeigt sich in Chinas selektivem Engagement: Peking übernimmt nur dann Führungsrollen in internationalen Institutionen, wenn dies direkt seinen nationalen Sicherheitsinteressen dient, wie etwa in der WHO, wo Taiwan als Beobachter ausgeschlossen bleibt.