Der Own-Age Bias: Eine Untersuchung zur Gesichtserkennung bei verschiedenen Altersgruppen
Einführung in den Own-Age Bias
Der Own-Age Bias (OAB) beschreibt das Phänomen, dass Menschen Gesichter von Personen ihrer eigenen Altersgruppe besser wiedererkennen als Gesichter von deutlich jüngeren oder älteren Personen. Dieses Phänomen ist durch zahlreiche Studien belegt und wurde nun von Psychologen der University of Exeter genauer untersucht.
Das Experiment: Methodik und Durchführung
Ciro Civile und Guangtong Wang führten ein Experiment mit 128 Teilnehmern durch, aufgeteilt in zwei Altersgruppen: 19- bis 30-Jährige (Generation Z) und 69- bis 80-Jährige (Baby Boomer). Den Probanden wurden zunächst Gesichter unbekannter Erwachsener verschiedenen Alters präsentiert. Anschließend sollten sie diese Gesichter in einer größeren Gruppe neuer Gesichter wiedererkennen. Zusätzlich wurden die Bilder in einem dritten Durchgang um 180 Grad gedreht, um die Gesichtserkennung unter erschwerten Bedingungen zu testen.
Ergebnisse des Experiments
Die Ergebnisse zeigten, dass die jungen Teilnehmer vor allem Gesichter von Gleichaltrigen gut wiedererkannten, während sie Schwierigkeiten hatten, ältere Gesichter zu identifizieren. Die älteren Teilnehmer hingegen erkannten sowohl junge als auch alte Gesichter gleich gut. Interessanterweise gab es keinen Unterschied zwischen den Altersgruppen bei der Erkennung umgedrehter Gesichter, da beide Gruppen hier ähnlich schlecht abschnitten.
Interpretation der Ergebnisse
Die Forscher erklären den Own-Age Bias bei jungen Menschen mit mangelnder Erfahrung. Ältere Menschen haben im Laufe ihres Lebens gelernt, Gesichter verschiedener Altersgruppen zu erkennen. Junge Menschen hingegen haben diese Erfahrung noch nicht gesammelt und konzentrieren sich daher auf Gesichter ihrer eigenen Altersgruppe. Dies ist kein Zeichen von Altersdiskriminierung, sondern ein kognitives Phänomen, das durch Training und Erfahrung verbessert werden kann.
Praktische Implikationen
Die Erkenntnisse haben praktische Bedeutung, insbesondere in Bereichen wie der Forensik und bei Zeugenaussagen. Junge Zeugen könnten Schwierigkeiten haben, ältere Verdächtige korrekt zu identifizieren. Die Forscher betonen, dass gezieltes Training und Schulungen helfen können, die Fähigkeit zur Gesichtserkennung über verschiedene Altersgruppen hinweg zu verbessern. Dies könnte die Genauigkeit von Identifizierungen in rechtlichen Kontexten erhöhen.
Fazit
Die Studie von Civile und Wang zeigt, dass der Own-Age Bias vor allem bei jüngeren Menschen auftritt und auf mangelnde Erfahrung zurückzuführen ist. Ältere Menschen haben durch ihre Lebenserfahrung gelernt, Gesichter verschiedener Altersgruppen zu erkennen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung von Training und Erfahrung für die Verbesserung der Gesichtserkennungsfähigkeiten.