Der Own-Age Bias: Eine differenzierte Analyse der Gesichtserkennungsfähigkeiten in verschiedenen Altersgruppen
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Der Own-Age Bias: Eine differenzierte Analyse der Gesichtserkennungsfähigkeiten in verschiedenen Altersgruppen

Theoretischer Hintergrund des Own-Age Bias

Der Own-Age Bias (OAB) ist ein psychologisches Phänomen, das beschreibt, dass Individuen Gesichter von Personen ihrer eigenen Altersgruppe mit höherer Genauigkeit wiedererkennen als Gesichter von Personen, die deutlich jünger oder älter sind. Dieses Phänomen wurde in zahlreichen Studien dokumentiert und durch verschiedene kognitive und soziale Faktoren erklärt. Die aktuelle Studie von Ciro Civile und Guangtong Wang von der University of Exeter bietet neue Einblicke in die altersabhängigen Unterschiede der Gesichtserkennungsfähigkeiten.

Methodische Vorgehensweise der Studie

Die Studie umfasste 128 Probanden, die in zwei Altersgruppen unterteilt wurden: 64 junge Erwachsene im Alter von 19 bis 30 Jahren (Generation Z) und 64 ältere Erwachsene im Alter von 69 bis 80 Jahren (Baby Boomer). Den Teilnehmern wurden zunächst Gesichter unbekannter Erwachsener unterschiedlichen Alters präsentiert. In einem zweiten Schritt sollten sie diese Gesichter in einer größeren Auswahl neuer Gesichter wiedererkennen. Zusätzlich wurde ein dritter Durchgang durchgeführt, in dem die Gesichter um 180 Grad gedreht waren, um die Gesichtserkennung unter erschwerten Bedingungen zu testen.

Empirische Befunde und ihre Interpretation

Die Ergebnisse der Studie zeigten signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Die jungen Probanden erkannten vor allem Gesichter von Gleichaltrigen zuverlässig, hatten jedoch Schwierigkeiten, ältere Gesichter korrekt zu identifizieren. Im Gegensatz dazu erkannten die älteren Probanden sowohl junge als auch alte Gesichter mit ähnlicher Genauigkeit. Beide Gruppen schnitten bei der Erkennung umgedrehter Gesichter ähnlich schlecht ab, was auf mangelnde Erfahrung mit dieser ungewöhnlichen Perspektive hindeutet.

Die Forscher führen den Own-Age Bias bei jungen Erwachsenen auf mangelnde kognitive Erfahrung zurück. Ältere Menschen haben im Laufe ihres Lebens vielfältige Erfahrungen mit Gesichtern verschiedener Altersgruppen gesammelt und sind daher in der Lage, diese besser zu differenzieren. Bei jungen Menschen fehlt diese Erfahrung, was zu einer eingeschränkten Fähigkeit führt, Gesichter außerhalb ihrer eigenen Altersgruppe zu erkennen.

Soziokognitive und praktische Implikationen

Die Erkenntnisse dieser Studie haben weitreichende Implikationen, insbesondere für forensische Anwendungen und Zeugenaussagen. Junge Zeugen könnten aufgrund des Own-Age Bias Schwierigkeiten haben, ältere Verdächtige korrekt zu identifizieren. Dies unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Trainingsprogramme, um die Gesichtserkennungsfähigkeiten über verschiedene Altersgruppen hinweg zu verbessern. Solche Trainings könnten die Genauigkeit von Identifizierungen in rechtlichen Kontexten signifikant erhöhen.

Diskussion und Ausblick

Die Studie von Civile und Wang verdeutlicht, dass der Own-Age Bias kein statisches, sondern ein dynamisches Phänomen ist, das durch Erfahrung und Training beeinflusst werden kann. Zukünftige Forschungen könnten untersuchen, welche spezifischen Trainingsmethoden am effektivsten sind, um die Gesichtserkennungsfähigkeiten zu verbessern. Darüber hinaus wäre es interessant zu erforschen, inwieweit kulturelle und soziale Faktoren den Own-Age Bias beeinflussen und ob ähnliche Phänomene auch in anderen kognitiven Bereichen auftreten.

Quiz

  1. 1. Was beschreibt der Own-Age Bias?



  2. 2. Welche Altersgruppen wurden in der Studie untersucht?



  3. 3. Wie unterschieden sich die Ergebnisse der jungen und älteren Probanden bei der Gesichtserkennung?



  4. 4. Warum schnitten beide Altersgruppen bei der Erkennung umgedrehter Gesichter schlecht ab?



  5. 5. Welche praktischen Implikationen hat die Studie?



  6. 6. Können gezielte Trainings die Gesichtserkennungsfähigkeiten verbessern?


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