Der Regenwald als kritischer Faktor für regionales Klima und Wirtschaft
Die multifunktionale Rolle des Regenwalds
Tropische Regenwälder wie der Amazonas sind nicht nur als „grüne Lungen“ der Erde bekannt, sondern spielen auch eine zentrale Rolle im regionalen und globalen Klimasystem. Durch die Verdunstung und Transpiration der Bäume produzieren sie erhebliche Mengen an Wasserdampf, der zur Bildung von Niederschlägen beiträgt. Diese selbstregulierende Fähigkeit macht den Regenwald zu einem entscheidenden Faktor für die Aufrechterhaltung des lokalen Klimas.
Quantifizierung der Regenproduktion
Eine aktuelle Studie von Jessica Baker und ihrem Team an der University of Leeds hat erstmals präzise Daten zur Regenproduktion des Regenwalds geliefert. Demnach erzeugt ein Quadratmeter Regenwald jährlich etwa 240 Liter zusätzlichen Niederschlag. Im Amazonasgebiet liegt dieser Wert sogar bei 300 Litern pro Quadratmeter. Diese Zahlen unterstreichen die essenzielle Bedeutung intakter Regenwälder für die regionale Wasserversorgung und die Stabilität des Klimas.
Auswirkungen der Entwaldung
Die fortschreitende Abholzung der Regenwälder hat bereits messbare Konsequenzen. In Brasilien, wo in den letzten Jahrzehnten etwa 80 Millionen Hektar Regenwald zerstört wurden, hat sich die Niederschlagsmenge in den betroffenen Gebieten deutlich verringert. Dies führt zu einer Verkürzung der Regensaison und hat direkte Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die Ernteerträge von Nutzpflanzen wie Mais und Soja sind bereits gesunken, was wirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe verursacht.
Ökonomische Bewertung des Regenwalds
Die Studie von Baker und Kollegen zeigt auch die wirtschaftliche Dimension des Regenwalds auf. Der vom Amazonas-Regenwald produzierte Niederschlag hat einen monetären Wert von etwa 59,4 US-Dollar pro Hektar. Für die brasilianische Landwirtschaft bedeutet dies einen jährlichen Beitrag von rund 20 Milliarden US-Dollar. Die bereits erfolgte Entwaldung hat dem Land jedoch wirtschaftliche Einbußen von knapp fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr beschert.
Notwendigkeit eines Umdenkens
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass der Schutz der Regenwälder nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Perspektive unverzichtbar ist. Die Abholzung führt zu langfristigen klimatischen und wirtschaftlichen Schäden, die den kurzfristigen Gewinn durch zusätzliche Anbauflächen bei Weitem übersteigen. Ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Wirtschaft sind daher dringend erforderlich, um die lebenswichtigen Funktionen der Regenwälder zu erhalten.