Die faszinierenden Augen der Tiefseefische: Eine einzigartige Anpassung
Die Grundlagen des Sehens bei Wirbeltieren
Seit über 150 Jahren ist bekannt, dass die Augen der meisten Wirbeltiere zwei Haupttypen von Sehsinneszellen besitzen: Stäbchen und Zapfen. Stäbchen sind besonders lichtempfindlich und ermöglichen das Sehen bei schwachem Licht. Zapfen hingegen sind für das Farbensehen und das Sehen bei hellem Licht zuständig. Bei den meisten Tieren entwickeln sich zuerst die Zapfen und erst später die Stäbchen. Diese Reihenfolge passt gut zu den Lebensbedingungen vieler Tiere, die als Jungtiere in helleren Umgebungen leben.
Eine ungewöhnliche Entdeckung bei Tiefseefischen
Forscher der University of Queensland haben nun eine überraschende Entdeckung gemacht: Einige Tiefseefische durchbrechen diese Regel. Die Larven von Laternenfischen, Lachsheringen und Maulstachlern besitzen eine einzigartige Mischform von Stäbchen und Zapfen in ihren Augen. Diese Hybrid-Rezeptoren sehen äußerlich aus wie Stäbchen, funktionieren aber genetisch wie Zapfen. Diese Entdeckung ist besonders, weil eine solche Mischform bisher bei keinem anderen Wirbeltier gefunden wurde.
Anpassung an die Dämmerungszone
Die Larven dieser Tiefseefische leben in der sogenannten Dämmerungszone des Meeres, in einer Tiefe von 20 bis 200 Metern. Hier ist das Licht schwach, aber nicht komplett dunkel. Die Hybrid-Rezeptoren ermöglichen es den Fischen, sich optimal an diese Lichtverhältnisse anzupassen. Diese Anpassung ist ein Beispiel für die erstaunliche Vielfalt der Evolution und zeigt, wie Tiere ihre Sinne an extreme Lebensbedingungen anpassen können.
Vorteile und Entwicklung der Hybrid-Rezeptoren
Die Hybrid-Rezeptoren bieten den Tiefseefischen mehrere Vorteile. Zum einen helfen sie den Larven, in der Dämmerungszone besser zu sehen. Zum anderen erleichtern sie den Übergang ins dunkle Tiefseemilieu, wenn die Fische erwachsen werden. Die Hybrid-Rezeptoren können leichter in echte Stäbchen umgewandelt werden, was den Fischen hilft, sich an die vollständige Dunkelheit der Tiefsee anzupassen. Eine Ausnahme bildet der Lachshering, der auch als Erwachsener in der Dämmerungszone bleibt und daher seine Hybrid-Rezeptoren behält.