Multitasking und die kognitiven Grenzen des menschlichen Gehirns: Neue Erkenntnisse aus der Forschung
Die Illusion des Multitaskings
Multitasking, also das gleichzeitige Erledigen mehrerer Aufgaben, wird oft als erstrebenswerte Fähigkeit angesehen. Doch zahlreiche Studien belegen, dass unser Gehirn nicht für echte Parallelverarbeitung ausgelegt ist. Stattdessen wechseln wir schnell zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her, was zu Leistungseinbußen und Fehlern führt.
Das Experiment: Training und seine Grenzen
Ein Forscherteam um Torsten Schubert von der Universität Halle-Wittenberg hat untersucht, ob gezieltes Training die Multitasking-Fähigkeiten verbessern kann. Die Teilnehmer des Experiments sollten zwei sensorisch unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig lösen: Sie mussten die Größe eines Kreises visuell erkennen und gleichzeitig einen auditiven Ton in seiner Höhe klassifizieren. Nach zweiwöchigem Training verbesserten sich die Leistungen der Teilnehmer deutlich.
Die Grenzen des Trainings
Die Verbesserungen hielten jedoch nur so lange an, wie die Aufgaben unverändert blieben. Sobald sich auch nur kleine Details änderten, stiegen die Fehlerquoten wieder an. Dies zeigt, dass das Gehirn trotz Übung keine echte Parallelverarbeitung entwickelt. Stattdessen optimiert es die Abfolge der kognitiven Prozesse, um die Aufgaben effizienter nacheinander zu bearbeiten.
Kognitive Engpässe und ihre Folgen
Die Studie verdeutlicht, dass unser Gehirn bei Multitasking an seine kognitiven Grenzen stößt. Diese Engpässe führen zu schnellerer Ermüdung und erhöhten Fehlerraten. Besonders problematisch ist dies in Bereichen, in denen Multitasking zu riskanten Situationen führen kann, wie etwa beim Autofahren und gleichzeitigen Telefonieren oder in Berufen wie Fluglotsen und Simultanübersetzern.
Praktische Implikationen der Studie
Die Ergebnisse der Studie haben weitreichende Konsequenzen für die Gestaltung von Arbeitsprozessen und Lernumgebungen. Sie zeigen, dass es wichtig ist, Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass kognitive Überlastung vermieden wird. Zudem unterstreichen sie die Notwendigkeit, in sicherheitsrelevanten Berufen klare Regeln für die Aufgabenbearbeitung zu etablieren, um Fehler und Unfälle zu vermeiden.