Die komplexe Regeneration tropischer Regenwälder: Neue Erkenntnisse zur Erholung der Biodiversität
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Die komplexe Regeneration tropischer Regenwälder: Neue Erkenntnisse zur Erholung der Biodiversität

Die Bedeutung tropischer Regenwälder

Tropische Regenwälder wie der Chocó-Regenwald in Ecuador gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde. Sie beherbergen fast zwei Drittel aller Wirbeltierarten und drei Viertel aller Baumarten. Doch mehr als die Hälfte dieser Wälder wurde bereits gerodet, vor allem für landwirtschaftliche Nutzflächen. Ein internationales Forschungsteam hat nun untersucht, wie schnell sich diese Ökosysteme nach der Abholzung erholen können.

Methodik der Studie

Die Studie von Timo Metz, Nico Blüthgen und ihrem Team konzentrierte sich auf 62 Waldflächen im Reserva Canandé in Ecuador. Diese Flächen umfassten ungestörte Primärwälder, aktive Weiden und Kakaoplantagen sowie Sekundärwälder in verschiedenen Stadien der Regeneration (1 bis 38 Jahre). Die Forscher erfassten 16 Artengruppen, darunter Insekten, Frösche, Vögel, Fledermäuse, Säugetiere, Pflanzen und Bodenbakterien. Insgesamt wurden Daten zu über 10.800 Tier- und Pflanzenarten sowie rund 23.600 bakteriellen Sequenzen analysiert.

Erholung der Artenvielfalt

Die Ergebnisse zeigen, dass verlassene Weiden und Kakaoplantagen bereits nach 30 Jahren etwa 90 Prozent der Artenvielfalt und Biomasse ursprünglicher Wälder erreichen. Besonders mobile Tierarten wie Fledermäuse und Vögel erholen sich schnell. Fledermäuse benötigen auf ehemaligen Kakaoplantagen nur etwa sechs Jahre, um eine ähnliche Artenvielfalt wie im Primärwald zu erreichen. Auf Weiden dauert dieser Prozess etwa 18 Jahre. Auch Vogelgemeinschaften und Bienen nähern sich innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten dem ursprünglichen Zustand an.

Langsame Rückkehr der ursprünglichen Artenzusammensetzung

Während die Artenvielfalt relativ schnell zurückkehrt, dauert es deutlich länger, bis sich die ursprüngliche Artenzusammensetzung wieder einstellt. Auf ehemaligen Kakaoplantagen nähert sich die Artengemeinschaft erst nach etwa 50 Jahren dem Zustand alter Wälder an, auf Weiden sogar erst nach über 70 Jahren. Nach 30 Jahren liegt die Ähnlichkeit erst bei etwa 75 Prozent. Dies zeigt, dass Sekundärwälder zwar artenreich werden können, sich aber in ihrer Zusammensetzung noch lange von Primärwäldern unterscheiden.

Herausforderungen bei der Regeneration von Pflanzen und Böden

Besonders langsam erholen sich Pflanzen. Die Artenzusammensetzung von Baumkeimlingen nähert sich dem Zustand alter Wälder erst nach etwa 60 Jahren auf ehemaligen Kakaoplantagen und nach deutlich über 100 Jahren auf Weiden. Ausgewachsene Bäume benötigen unabhängig von der vorherigen Nutzung etwa 90 bis 100 Jahre. Bei Bodenbakterien zeigt sich ein anderes Bild: Ihre Artenvielfalt bleibt zwar hoch, aber die Zusammensetzung der Gemeinschaften ändert sich langfristig und nähert sich auch nach Jahrzehnten nicht dem Zustand alter Wälder an. Dies deutet auf langfristige Spuren der früheren Nutzung hin.

Bedingungen für eine erfolgreiche Regeneration

Die Studie betont, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit sich degradierte Flächen regenerieren können. Dazu gehören die Nähe zu intakten Regenwäldern, keine erneuten starken Störungen und die Möglichkeit für Pflanzen und Tiere, von außen wieder einzuwandern. Die Ergebnisse unterstreichen, dass sichtbare Erholung nicht automatisch bedeutet, dass alle Ebenen des Ökosystems wieder im Gleichgewicht sind. Primärwälder lassen sich nicht einfach ersetzen, und ihr Schutz bleibt daher unverzichtbar. Dennoch kann die natürliche Regeneration degradierter Flächen eine wichtige Ergänzung für Schutz- und Wiederbewaldungsstrategien sein.

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Welche Artengruppen wurden in der Studie untersucht?
  2. 2. Wie lange dauert es, bis verlassene Weiden und Kakaoplantagen 90 Prozent der Artenvielfalt erreichen?
  3. 3. Welche Tiere erholen sich besonders schnell?
  4. 4. Wie lange dauert es, bis sich die ursprüngliche Artenzusammensetzung auf Weiden erholt?
  5. 5. Warum ist die Nähe zu intakten Regenwäldern wichtig für die Regeneration?
  6. 6. Was zeigt die Studie über die Erholung der Böden?
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