Die umstrittene Expansion der US-Einwanderungsbehörde ICE unter Donald Trump
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Die umstrittene Expansion der US-Einwanderungsbehörde ICE unter Donald Trump

Historische Expansion einer Vollzugsbehörde

Die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) hat unter der zweiten Amtszeit von Donald Trump eine beispiellose Expansion erfahren. Innerhalb eines Jahres verdoppelte sich die Zahl der Einsatzkräfte von 10.000 auf 22.000 Mitarbeiter. Diese Entwicklung ist in der Geschichte der 2002 gegründeten Behörde ohne Beispiel. Die massive Aufstockung erfolgte im Rahmen einer Rekrutierungskampagne des US-Heimatsschutzministeriums (DHS), die gezielt „qualifizierte patriotische Amerikaner“ anwerben sollte. Im Jahr 2025 wurden laut offiziellen Angaben 605.000 Menschen abgeschoben, während sich 1,9 Millionen „freiwillig selbst abgeschoben“ haben sollen. Diese Zahlen werfen Fragen nach den Methoden und der Effektivität der Behörde auf.

Verkürzte Ausbildungszeiten und Qualitätsbedenken

Ein zentraler Kritikpunkt an der Expansion von ICE ist die drastische Verkürzung der Ausbildungszeit für neue Mitarbeiter. Diese wurde von 16 auf 8 Wochen halbiert, und die Verpflichtung, Spanisch zu lernen, wurde vollständig gestrichen. Die DW stellte der Behörde Fragen zu ihrer Einstellungspraxis, erhielt jedoch keine Antworten. Die Strafrechtlerin Melissa Hamilton, die früher selbst als Polizistin tätig war, äußert Bedenken hinsichtlich der Qualität der neuen Mitarbeiter. Sie betont, dass die Rekrutierungskampagne eher auf Masse als auf Klasse setze. Besonders problematisch erscheint dies vor dem Hintergrund des Todes von Renee Nicole Good, die 2026 von einem ICE-Mitarbeiter erschossen wurde. Dieser Vorfall löste landesweite Proteste aus und führte zum Rücktritt von zwölf Staatsanwälten in Minnesota.

Gezielte Rekrutierung und politische Instrumentalisierung

Die Rekrutierungskampagne von ICE zeichnet sich durch eine ungewöhnlich aggressive und zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit aus. Mit einem Budget von 100 Millionen Dollar für das Jahr 2026 setzt die Behörde auf eine Kombination aus traditionellen und modernen Werbemethoden. Dazu gehören gezielte Anzeigen in sozialen Medien, der Einsatz von Influencern auf Plattformen wie Rumble und die Nutzung von Geofencing-Technologien. Diese ermöglichen es, potenzielle Bewerber in der Nähe von Militärstützpunkten, Waffenmessen oder bestimmten Sportereignissen anzusprechen. Die Kampagne nutzt zudem symbolträchtige Bilder wie „Uncle Sam“ und das Gemälde „American Progress“, um patriotische Gefühle zu wecken. Experten wie Hamilton vermuten, dass die Kampagne gezielt die MAGA-Anhängerschaft anspricht und eine „America First“-Botschaft transportiert.

Sozioökonomische Zielgruppen und Anreizsysteme

Die Rekrutierungsstrategie von ICE zielt besonders auf bestimmte sozioökonomische Gruppen ab. Hamilton erklärt, dass die Kampagne vor allem Menschen ohne oder mit unzureichender Beschäftigung sowie Angehörige der Arbeiterschicht anspreche. Um diese Zielgruppen zu erreichen, bietet ICE attraktive Anreize wie Prämien von bis zu 50.000 Dollar und Unterstützung bei der Rückzahlung von Studentendarlehen. Gleichzeitig wurden die Altersgrenzen für Bewerber abgeschafft, was den Pool potenzieller Kandidaten weiter vergrößert. Kritiker befürchten, dass diese Maßnahmen zu einer Politisierung der Behörde führen und Menschen mit fragwürdigen Motivationen anziehen könnten.

Erfolg und langfristige Folgen der Expansion

Die Rekrutierungskampagne von ICE war quantitativ ein Erfolg: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich deutlich erhöht, und die Behörde verfügt nun über ein Budget von 170 Milliarden Dollar für die nächsten vier Jahre. Allerdings gibt es erhebliche Bedenken hinsichtlich der Qualität und Professionalität der neuen Mitarbeiter. Hamilton weist darauf hin, dass der Erfolg der Kampagne davon abhängt, welche Kriterien angelegt werden. Während die Mitarbeiterzahlen gestiegen sind, bleibt unklar, ob die neuen Kräfte den komplexen Anforderungen der Einwanderungskontrolle gewachsen sind. Das DHS betont zwar, dass „strikte Standards“ eingehalten werden, doch die langfristigen Folgen dieser Expansion für die Glaubwürdigkeit und Effektivität von ICE bleiben ungewiss.

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Wie viele Mitarbeiter hatte ICE vor der Expansion?
  2. 2. Warum gibt es Bedenken hinsichtlich der Qualität der neuen ICE-Mitarbeiter?
  3. 3. Welche Methoden nutzt ICE für die gezielte Rekrutierung?
  4. 4. An welche Zielgruppen richtet sich die ICE-Kampagne?
  5. 5. Welche Anreize bietet ICE neuen Mitarbeitern?
  6. 6. Warum traten Staatsanwälte in Minnesota zurück?
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