Ein rätselhafter Erdstall aus dem Mittelalter in Sachsen-Anhalt
Die Entdeckung in Reinstedt
In Reinstedt, einem Ortsteil von Falkenstein in Sachsen-Anhalt, haben Archäologen einen ungewöhnlichen Fund gemacht. Innerhalb einer jungsteinzeitlichen Grabenanlage entdeckten sie einen Erdstall aus dem Spätmittelalter. Dieser unterirdische Gang wurde etwa zwischen 1250 und 1500 n. Chr. in den Lössboden gegraben. Der Zweck solcher Erdställe ist bis heute nicht vollständig geklärt. Möglicherweise dienten sie als Verstecke oder als Räume für religiöse Handlungen.
Die jungsteinzeitliche Grabenanlage
Die Archäologen fanden den Erdstall in einer trapezförmigen Grabenanlage, die typisch für die Baalberger Kultur war. Diese Kultur lebte während der Jungsteinzeit im Mittelelbe-Saale-Gebiet. Innerhalb der Anlage fanden die Forscher auch Gräber aus der späten Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Das zeigt, dass dieser Ort über viele Jahrhunderte hinweg genutzt wurde.
Details zum Erdstall
Der Erdstall ist etwa zwei Meter lang, bis zu 0,7 Meter breit und maximal 1,25 Meter hoch. Die Decke ist spitzgiebelartig geformt. Im Inneren fanden die Archäologen Keramikreste aus dem Spätmittelalter, Holzkohle, ein Hufeisen, Knochen von Kleintieren und sogar ein Fuchsskelett. Eine Stufe führte in den Gang, in dem auch eine Nische und ein Steinhaufen entdeckt wurden. Vielleicht sollte der Gang mit den Steinen verschlossen werden.
Mögliche Funktionen des Erdstalls
Warum der Erdstall gebaut wurde, bleibt ein Rätsel. Eine Theorie besagt, dass die jungsteinzeitliche Grabenanlage im Mittelalter noch sichtbar war und den Menschen half, den Ort wiederzufinden. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Menschen die heidnische Stätte als besonders geeignet für ein Versteck oder einen Zufluchtsort ansahen, da andere sich von diesem Ort fernhielten.