EU-Mercosur-Abkommen: Wirtschaftliche Chancen und politische Kontroversen
Das Freihandelsabkommen im Überblick
Nach über 25 Jahren Verhandlungen haben die EU und die Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) ein Freihandelsabkommen beschlossen. Das Abkommen soll den Handel zwischen den beiden Regionen erleichtern, indem etwa 90 Prozent der aktuellen Zölle schrittweise abgeschafft werden. Damit entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt mit über 780 Millionen Menschen. Europäische Unternehmen könnten besonders von dem Abkommen profitieren, da sie besseren Zugang zu den südamerikanischen Märkten erhalten.
Wirtschaftliche Vorteile für beide Seiten
Für die europäische Industrie bietet das Abkommen große Chancen. Aktuell gelten in Südamerika hohe Zölle auf europäische Produkte – zum Beispiel bis zu 35 Prozent auf Autos. Durch das Abkommen könnten europäische Hersteller von Autos, Maschinen, chemischen Produkten und Medikamenten ihre Waren günstiger exportieren. Gleichzeitig könnten Rohstoffe aus den Mercosur-Staaten leichter in die EU importiert werden, was eine Alternative zu Lieferungen aus China darstellt. Auch landwirtschaftliche Produkte wie Rindfleisch, Zucker und Kaffee könnten für europäische Verbraucher günstiger werden.
Kritik und Bedenken
Trotz der wirtschaftlichen Vorteile gibt es starke Kritik am Abkommen. Mehrere EU-Länder, darunter Frankreich und Österreich, lehnen den Deal ab. Sie befürchten, dass billige südamerikanische Produkte die europäischen Landwirte benachteiligen könnten. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace warnen, dass das Abkommen die Abholzung des Regenwaldes beschleunigen könnte, da mehr Rindfleisch und Soja aus Südamerika exportiert werden. Auch indigene Gruppen in Brasilien protestieren gegen das Abkommen, weil sie negative Auswirkungen auf ihre Lebensräume befürchten.
Politische und rechtliche Hürden
Das Abkommen ist Teil eines größeren Assoziierungsabkommens, das auch politische Zusammenarbeit vorsieht. Während das Freihandelsabkommen allein von der EU beschlossen werden kann, benötigt das gesamte Assoziierungsabkommen die Zustimmung aller EU-Mitgliedsstaaten. Kritiker werfen der EU-Kommission vor, das Abkommen aufzuspalten, um die nationalen Parlamente zu umgehen. Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, muss noch das Europäische Parlament zustimmen.