Gravierende Sicherheitsmängel in Kinder-Smartwatches: Ein Weckruf für den digitalen Kinderschutz
Die Illusion der Sicherheit
Kinder-Smartwatches erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Eltern, die ihren Kindern einen kontrollierten Einstieg in die digitale Kommunikation ermöglichen möchten. Diese Geräte bieten Funktionen wie Telefonie, Nachrichtenversand und Standorttracking. Doch die vermeintliche Sicherheit dieser Uhren erweist sich als trügerisch. Ein Forschungsteam der TU Darmstadt hat nun gravierende Sicherheitslücken in einem aktuellen Modell des Marktführers Xplora aufgedeckt.
Technische Details der Sicherheitslücken
Die Forscher aktivierten den Entwicklermodus der Smartwatch und extrahierten die Software. Dabei stellten sie fest, dass durch das Auslesen eines einzigen Schlüssels umfassender Zugriff auf alle Uhren desselben Typs möglich ist. Dieser Schlüssel ermöglicht es Angreifern, private Chats, Bilder und Sprachnachrichten zwischen Eltern-App und Kinder-Smartwatch auszulesen. Noch besorgniserregender ist die Möglichkeit, manipulierte Nachrichten im Namen der Kinder zu versenden und Standortdaten zu fälschen. Diese Schwachstellen stellen ein erhebliches Risiko für die Privatsphäre und Sicherheit der Kinder dar.
Reaktionen und Maßnahmen des Herstellers
Nach der Meldung der Sicherheitslücken im Mai 2025 reagierte Xplora mit ersten Updates im August und Oktober 2025. Diese Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die grundlegenden Probleme zu beheben. Aufgrund der Dringlichkeit schalteten die Forscher das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ein. Xplora kündigte daraufhin ein umfassendes Sicherheitsupdate für Januar 2026 an und versprach die Implementierung eines verbesserten Meldesystems für Sicherheitslücken.
Die Rolle unabhängiger Sicherheitsforschung
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung unabhängiger Sicherheitsüberprüfungen. Eltern sind in der Regel nicht in der Lage, die Sicherheit solcher Geräte selbst zu bewerten. Daher ist es essenziell, sich auf unabhängige Expertenmeinungen und Bewertungen zu verlassen. Die Forscher betonen, dass fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Kinder-Smartwatches nur auf Basis solcher Prüfungen getroffen werden sollten.
Langfristige Implikationen für den digitalen Kinderschutz
Die aufgedeckten Sicherheitslücken werfen grundsätzliche Fragen zum digitalen Kinderschutz auf. Sie zeigen, dass selbst Geräte, die speziell für Kinder entwickelt wurden, erhebliche Risiken bergen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit strengerer Sicherheitsstandards und regelmäßiger unabhängiger Prüfungen. Eltern, Hersteller und Regulierungsbehörden müssen gemeinsam daran arbeiten, die digitale Sicherheit von Kindern zu gewährleisten.