Guano als wirtschaftlicher und politischer Faktor im alten Peru: Die Chincha und ihr Erbe
Die Entdeckung und Nutzung von Guano durch die Chincha
Im Süden Perus blühte vom 11. bis zum 14. Jahrhundert das Reich der Chincha. Diese Kultur entdeckte früh die Bedeutung von Guano, dem Kot von Seevögeln, als hochwirksamen Dünger. Guano enthält eine hohe Konzentration an Stickstoff, Phosphat und Kalium – Nährstoffe, die für den Anbau von Nutzpflanzen wie Mais essenziell sind. Die Chincha sammelten Guano von den nahegelegenen Pazifikinseln und nutzten ihn, um die kargen Böden des Chincha-Tals fruchtbar zu machen.
Wissenschaftliche Belege für die Guano-Nutzung
Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Jacob Bongers von der University of Sydney liefert neue Erkenntnisse über die Nutzung von Guano durch die Chincha. Durch Isotopenanalysen an 35 Maiskolben aus Gräbern des Chincha-Tals konnten die Forscher nachweisen, dass der Mais auf Feldern gewachsen war, die mit Guano gedüngt wurden. Die hohen Stickstoffisotopenwerte in den Maiskolben belegen dies eindeutig. Diese Funde datieren vom späten 12. bis zum 16. Jahrhundert und zeigen, dass Guano über einen langen Zeitraum hinweg eine zentrale Rolle im Ackerbau der Chincha spielte.
Guano als Machtinstrument
Die Kontrolle über die Guano-Vorkommen und das Wissen um deren Nutzung verliehen den Chincha nicht nur wirtschaftlichen Wohlstand, sondern auch politischen Einfluss. Als die Inka im 15. Jahrhundert das Reich der Chincha übernahmen, behielten die Chincha eine strategisch wichtige Position. Ihr Wissen über die Beschaffung und Anwendung von Guano machte sie zu unverzichtbaren Partnern innerhalb des Inka-Reichs. Dies zeigt sich auch in historischen Berichten: Der Herrscher der Chincha genoss ein ähnlich hohes Ansehen wie der Inka-König Atahualpa.
Kulturelle und historische Bedeutung von Guano
Die Bedeutung von Guano für die Chincha spiegelt sich auch in ihrer Kultur wider. Zahlreiche Artefakte, wie kunstvoll geschnitzte Waagebalken mit Vogelmotiven, zeugen von der Wertschätzung, die die Chincha den Guanovögeln entgegenbrachten. Guano war nicht nur ein Düngemittel, sondern ein Symbol für Macht und Wohlstand. Diese Wertschätzung setzte sich auch in späteren Jahrhunderten fort: Im 19. Jahrhundert führten die reichen Guano-Vorkommen auf den Chincha-Inseln zu einem Krieg zwischen Peru und Spanien, als beide Nationen die Kontrolle über diese wertvolle Ressource anstrebten.
Das Erbe der Chincha und die globale Bedeutung von Guano
Die Geschichte der Chincha und ihre Nutzung von Guano verdeutlicht, wie natürliche Ressourcen ganze Kulturen prägen können. Guano war ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung und die politische Macht der Chincha. Die Erkenntnisse über die Nutzung von Guano im alten Peru werfen zudem ein neues Licht auf die landwirtschaftlichen Praktiken präkolumbianischer Kulturen und zeigen, wie fortschrittlich diese Gesellschaften in der Nutzung natürlicher Ressourcen waren.