Merz' Golf-Reise: Strategische Neuausrichtung in einer multipolaren Welt
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Merz' Golf-Reise: Strategische Neuausrichtung in einer multipolaren Welt

Die Suche nach neuen Partnern in einer unsicheren Welt

Bundeskanzler Friedrich Merz reist vom 4. bis 6. Februar in die Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Diese Reise ist Teil einer umfassenden Strategie der Bundesregierung, neue strategische Partnerschaften aufzubauen. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise sucht Deutschland nach Alternativen zu russischem Gas. Die Golfstaaten spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie nicht nur bedeutende Öl- und Gaslieferanten sind, sondern auch zunehmend als geopolitische Akteure an Bedeutung gewinnen.

Energiepolitik: Diversifizierung der Lieferketten

Ein zentrales Thema der Reise ist die Energieversorgung. Deutschland möchte seine Abhängigkeit von den USA verringern, die derzeit etwa 30 Prozent des deutschen Flüssiggasbedarfs decken. Die Golfstaaten, insbesondere Katar und Saudi-Arabien, bieten sich als alternative Lieferanten an. Allerdings gibt es unterschiedliche Vorstellungen über die Vertragsgestaltung: Während die Golfstaaten langfristige Lieferverträge bevorzugen, war Deutschland bisher an kurzfristigen Vereinbarungen interessiert. Die Bundesregierung signalisiert nun jedoch Kompromissbereitschaft, um die Partnerschaften zu stärken.

Rüstungsexporte und wirtschaftliche Zusammenarbeit

Neben der Energiepolitik stehen auch Rüstungsexporte auf der Agenda. Saudi-Arabien und Katar zeigen Interesse an deutschen Militärflugzeugen, wie dem Airbus A400M. Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, wirtschaftliche Interessen mit menschenrechtlichen Bedenken in Einklang zu bringen. Regierungssprecher Stefan Kornelius betonte zwar Fortschritte in Saudi-Arabien, etwa bei den Rechten von Frauen, wies aber auch auf weiterhin bestehende Defizite hin. Die Reise von Merz wird zeigen, wie Deutschland diese Balance halten will.

Geopolitische Spannungen und die Rolle Deutschlands

Die Golfstaaten sind nicht nur wirtschaftliche Partner, sondern auch wichtige Akteure in einer von Spannungen geprägten Region. Der Krieg im Gaza-Streifen und die Proteste im Iran zeigen, wie fragil die politische Lage ist. Deutschland steht vor der Herausforderung, seine Beziehungen zu den Golfstaaten zu stärken, ohne die Partnerschaften mit den USA und Israel zu gefährden. Der von US-Präsident Trump initiierte "Friedensrat", dem auch Katar angehört, wird von Deutschland kritisch gesehen, da er als Gegenmodell zur UN konzipiert ist. Regierungssprecher Kornelius betonte, dass Deutschland die israelische Position zwar verstehe, sich aber nicht in die bilateralen Beziehungen einmischen wolle.

Globale Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik

Die Reise von Merz ist Teil einer größeren Strategie, die deutsche Außenpolitik neu auszurichten. Bereits im Januar besuchte Merz Indien, und für Ende Februar ist eine Reise nach China geplant. Diese Reisen zeigen, dass Deutschland in einer multipolaren Welt nach neuen Partnern sucht. Die Golfstaaten spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Bedeutung haben. Die Bundesregierung steht vor der Aufgabe, diese Partnerschaften so zu gestalten, dass sie den deutschen Interessen dienen, ohne die Wertegemeinschaft mit traditionellen Verbündeten zu gefährden.

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Warum reist Bundeskanzler Merz in die Golfstaaten?
  2. 2. Welche Rolle spielen die Golfstaaten in der deutschen Energiepolitik?
  3. 3. Welche Herausforderungen gibt es bei den Rüstungsexporten in die Golfstaaten?
  4. 4. Warum ist der "Friedensrat" der USA für Deutschland problematisch?
  5. 5. Welche Länder hat Merz bereits besucht oder plant er zu besuchen, um neue Partnerschaften aufzubauen?
  6. 6. Welche Ziele verfolgt Deutschland mit der Neuausrichtung seiner Außenpolitik?
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