Die komplexen Ursachen der Schwarmbeben im Vogtland: Eine detaillierte Analyse
Einleitung: Ein seismisch aktives Gebiet
Das Vogtland und der Nordwesten Böhmens zählen zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Hier treten regelmäßig Schwarmbeben auf, bei denen tausende kleine Erschütterungen über Wochen oder Monate hinweg registriert werden. Diese Beben sind meist schwach, können aber von der Bevölkerung deutlich wahrgenommen werden. Die Region liegt auf einem tektonischen Hotspot, der durch das Eger-Rift geprägt ist – eine Verwerfung, die von Polen bis nach Bayern reicht.
Der Erdbebenschwarm 2024: Ein unerwartetes Ereignis
Anfang 2024 ereignete sich im Vogtland nahe der Stadt Klingenthal ein ungewöhnlich starker Erdbebenschwarm. Nach 125 Jahren relativer Ruhe begann die Erde plötzlich wieder zu beben. Über 8.000 kleine Erschütterungen wurden registriert. Wissenschaftler des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Potsdam haben dieses Phänomen genauer untersucht, um die Ursachen zu klären.
Zwei Phasen des Bebenschwarms
Die Studie von Büyükakpinar und ihrem Team zeigt, dass der Erdbebenschwarm in zwei klar unterscheidbare Phasen unterteilt werden kann. In der ersten Phase drangen heiße Fluide und unter hohem Druck stehendes CO2 aus dem oberen Erdmantel in eine Verwerfungszone in etwa zehn Kilometern Tiefe ein. Diese Fluide sammelten sich über fünf Tage hinweg an und lösten die ersten Erschütterungen aus.
In der zweiten Phase strömte eine größere Menge Magma in die Verwerfungszone. Dieses Magma, wahrscheinlich eine karbonathaltige Gesteinsschmelze, führte zu zahlreichen weiteren Brüchen und Rissen im Gestein. Dadurch nahmen die Erschütterungen in Häufigkeit und Stärke zu. Die Forscher schätzen, dass etwa 13.700 Kubikmeter Magma in die Verwerfung eingedrungen sind.
Die Bedeutung der Ergebnisse
Die neuen Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für das Verständnis der seismischen Aktivität im Vogtland. Sie zeigen, dass die Schwarmbeben durch komplexe Prozesse im Erdinneren ausgelöst werden, an denen sowohl Fluide als auch Magma beteiligt sind. Diese Ergebnisse könnten auch für die Vorhersage zukünftiger Beben hilfreich sein.
Zukünftige Überwachung und Forschung
Aufgrund der neuen Erkenntnisse wird die seismische Überwachung im Vogtland und in Nordwest-Böhmen weiter ausgebaut. Im Sommer 2025 haben Forscher rund 300 seismische Messstationen installiert. Diese Stationen sollen in den kommenden 12 bis 18 Monaten detaillierte Daten liefern und helfen, die Prozesse im Untergrund noch besser zu verstehen. Diese Maßnahmen sind wichtig, um die Bevölkerung besser zu schützen und frühzeitig vor möglichen stärkeren Beben zu warnen.