Neurodiversität: Wie grundlegende Bedürfnisse das Wohlbefinden beeinflussen
Neurodivergenz und Lebenszufriedenheit
Menschen mit Autismus oder ADHS sind im Alltag häufig gestresster und weniger zufrieden als neurotypische Personen. Doch dieser Unterschied liegt nicht direkt an ihrer Diagnose. Entscheidend ist, ob grundlegende psychologische Bedürfnisse erfüllt sind: Autonomie, Kompetenz und soziale Zugehörigkeit.
Die Studien im Detail
Ein Forschungsteam um Jan van Rijswijk von der Fernuniversität Heerlen untersuchte diesen Zusammenhang in zwei Studien. In der ersten Studie analysierten sie Daten von 2157 Erwachsenen, von denen etwa 250 neurodivergent waren. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit Autismus oder ADHS mehr Stress und weniger Lebenszufriedenheit berichteten.
Die Rolle psychologischer Bedürfnisse
In der zweiten Studie wertete das Team über 2200 autobiografische Berichte von Betroffenen aus. Mithilfe von künstlicher Intelligenz wurde analysiert, inwieweit die Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Verbundenheit erfüllt waren. Die Ergebnisse waren klar: Wenn diese Bedürfnisse gestärkt wurden, waren Stress und Unzufriedenheit geringer – unabhängig von der Diagnose.
Praktische Konsequenzen
Die Autoren der Studie plädieren für einen Perspektivwechsel. Statt die Diagnosen in den Mittelpunkt zu stellen, sollten Lebens- und Arbeitsbedingungen angepasst werden. Flexible Arbeitszeiten, klare Rückmeldungen und soziale Sicherheit können das Wohlbefinden neurodivergenter Menschen deutlich verbessern. Rückzugsmöglichkeiten bei Reizüberflutung sind ebenfalls wichtig.