Neurologische Fehldiagnosen: Von historischen Irrtümern zu modernen Debatten
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Neurologische Fehldiagnosen: Von historischen Irrtümern zu modernen Debatten

Die „Hysterie“ und Charcots Vermächtnis

Im 19. Jahrhundert zeigte der Neurologe Jean-Martin Charcot in Paris seine berühmten „Dienstagsvorlesungen“. Dabei führte er Patientinnen mit der Diagnose „Hysterie“ vor. Charcot dachte, dass diese Krankheit eine organische Ursache hat, fand aber keine Beweise. Später änderte er seine Meinung und sagte, dass „Hysterie“ eine psychische Erkrankung sei. Heute gibt es diese Diagnose nicht mehr. Stattdessen verstehen wir viele der damaligen Symptome als neurologische oder dissoziative Störungen.

Fortschritte und Fehldiagnosen

Die Neurologie hat große Fortschritte gemacht. Krankheiten wie Multiple Sklerose (MS) oder das Tourette-Syndrom wurden früher oft falsch diagnostiziert. MS galt lange als psychisch bedingt, bis moderne Bildgebungsverfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) körperliche Veränderungen im Gehirn zeigten. Beim Tourette-Syndrom half ein Medikament, das Dopaminrezeptoren blockiert, die wahren Ursachen zu verstehen.

Aktuelle Debatten: ME/CFS und der Streit um Ursachen

Heute gibt es noch immer Diskussionen über Krankheiten wie ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom). Manche Ärzte sehen die Ursachen im Körper, andere in der Psyche. Jüngste Forschungen zeigen jedoch, dass ME/CFS mit Autoantikörpern und mitochondrialen Schäden zusammenhängt. Dennoch wird die Krankheit oft falsch behandelt, weil ihre Ursachen noch nicht vollständig verstanden sind.

Die Rolle des Geschlechts

Ein weiteres Problem ist das Geschlecht der Patienten. Frauen wurden und werden häufiger falsch diagnostiziert. Schon Platon schrieb der Gebärmutter („hystéra“) viele Krankheiten zu. Auch heute noch denken Ärzte bei unklaren Symptomen eher an psychische Ursachen, besonders bei Frauen. Das zeigt sich zum Beispiel beim „Yentl-Syndrom“, bei dem Frauen mit Herzinfarkten oft später oder falsch behandelt werden.

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Was dachte Charcot zunächst über „Hysterie“?
  2. 2. Wie wurde Multiple Sklerose früher oft diagnostiziert?
  3. 3. Was half, die Ursachen des Tourette-Syndroms zu verstehen?
  4. 4. Warum wird ME/CFS oft falsch behandelt?
  5. 5. Warum werden Frauen häufiger falsch diagnostiziert?
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