Neuseelands verlorene Vogelwelt: Neue Erkenntnisse aus einer Höhle
Eine Lücke in der Geschichte Neuseelands
Neuseeland ist bekannt für seine einzigartige Tierwelt, die sich aufgrund der frühen Isolation vom Urkontinent Gondwana entwickelte. Doch im Fossilbestand des Landes klaffte bisher eine große Lücke: Es gab kaum Zeugnisse aus der Zeit vor 15 Millionen bis einer Million Jahren. Diese Lücke hat nun ein Fund in der Moa Eggshell Cave auf der Nordinsel teilweise geschlossen.
Einzigartige Fossilienfunde
In der Höhle entdeckten Paläontologen Fossilien von zwölf Vogelarten und vier Froscharten, die zwischen 1,55 und einer Million Jahre alt sind. Besonders bemerkenswert sind die Funde von frühen Verwandten des Kakapo und der Takahē-Ralle. Diese Vögel sind heute ikonische Vertreter der neuseeländischen Fauna, doch ihre Evolution war bisher nur unvollständig dokumentiert.
Neue Einblicke in die Evolution
Der entdeckte Vorfahre des Kakapo, Strigops insulaborealis, könnte noch flugfähig gewesen sein. Seine Beinknochen sind schwächer als die des heutigen Kakapo, was darauf hindeutet, dass er weniger kletterte. Auch ein Vorfahre der Takahē-Ralle, Porphyrio claytongreenei, wurde identifiziert. Diese Funde liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung dieser Arten und zeigen, wie sich ihre Lebensweisen im Laufe der Zeit verändert haben.
Naturkatastrophen und Klimawandel
Die Ära dieser urzeitlichen Vogelwelt endete durch eine Kombination aus Naturkatastrophen und Klimaveränderungen. Vor etwa einer Million Jahren brach der Supervulkan Mangakino aus und bedeckte die Nordinsel mit einer meterhohen Ascheschicht. Diese „Kidnappers“-Eruption war eine der größten weltweit und hatte verheerende Auswirkungen auf die Tierwelt. Zusätzlich führte das beginnende Eiszeitalter zu häufigen Klimaschwankungen, die die Lebensräume der Vögel stark veränderten.
Bedeutung der Funde
Die Fossilien aus der Moa Eggshell Cave sind ein wichtiges Missing Link in der Geschichte Neuseelands. Sie zeigen, dass 33 bis 50 Prozent der Vogelarten auf der Nordinsel vor etwa einer Million Jahren ausstarben. Diese Erkenntnisse helfen, die komplexen Prozesse zu verstehen, die die heutige neuseeländische Tierwelt geprägt haben. Die Studie unterstreicht zudem die Bedeutung von Naturereignissen und Klimaveränderungen für die Evolution und das Aussterben von Arten.