Prototaxites: Ein ausgestorbenes Riesenwesen und seine Geheimnisse
Das Rätsel Prototaxites
Vor etwa 400 Millionen Jahren, als das Leben auf der Erde gerade erst an Land Fuß fasste, gab es ein mysteriöses Lebewesen namens Prototaxites. Es sah aus wie ein riesiger Baumstamm oder ein gigantischer Pilz und konnte bis zu acht Meter hoch werden. Doch Prototaxites war weder ein Baum noch ein Pilz – und auch kein Tier. Wissenschaftler diskutieren seit über 150 Jahren darüber, was dieses Lebewesen wirklich war.
Warum ist Prototaxites so besonders?
Prototaxites bestand aus vielen kleinen Röhren, die anders aussahen als bei bekannten Pilzen oder Pflanzen. Forscher um Corentin Loron von der University of Edinburgh fanden heraus, dass diese Röhren komplexe Strukturen hatten, die an Lungenbläschen erinnern. Das deutet darauf hin, dass Prototaxites möglicherweise Gase oder andere Stoffe austauschte. Chemische Analysen zeigten zudem, dass die Zellwände nicht aus Chitin bestanden, wie es bei Pilzen der Fall ist, sondern aus phenolischen Komponenten, die auch in Holz vorkommen.
Die Theorie eines vierten Reichs
Die Wissenschaftler schlagen vor, dass Prototaxites zu einem vierten, heute ausgestorbenen Reich vielzelliger Lebewesen gehörte. Es war demnach weder Tier noch Pflanze noch Pilz, sondern etwas ganz Eigenes. Diese Theorie basiert auf drei wichtigen Merkmalen: den besonderen Röhrenstrukturen, den chemischen Rückständen der Zellwände und der Tatsache, dass sich Prototaxites von anderen Lebewesen ernährte (heterotroph).
Die Bedeutung von Prototaxites
Prototaxites lebte in einer Zeit, in der die ersten Pflanzen und Tiere das Land eroberten. Es war eines der ersten großen Lebewesen an Land und spielte vermutlich eine wichtige Rolle im Ökosystem. Vielleicht diente es als Nahrung für frühe Insekten oder beeinflusste das Klima und die Bodenbeschaffenheit. Die Forscher betonen, dass Prototaxites zeigt, wie vielfältig das Leben auf der Erde einmal war – und wie viel wir noch nicht wissen.