Führerscheinreform: Digitalisierung, Kostensenkung und neue Ausbildungsmodelle
Die aktuelle Situation und die Notwendigkeit einer Reform
Der Führerscheinerwerb in Deutschland ist mit hohen Kosten verbunden. Durchschnittlich müssen Fahrschüler etwa 3.400 Euro investieren, in einigen Regionen sogar bis zu 4.500 Euro. Diese Kosten sind in den letzten Jahren stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat daher eine Reform initiiert, um den Führerschein günstiger und zugänglicher zu machen.
Digitalisierung und Bürokratieabbau
Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die Digitalisierung des Führerscheinerwerbs. Fahrschulen sollen verpflichtet werden, ihre Preise online transparent zu machen. Diese Daten sollen von Vergleichsportalen genutzt werden, um Fahrschülern die Suche nach günstigen Angeboten zu erleichtern. Zudem soll der theoretische Unterricht vollständig online stattfinden können, was Fahrschulen die Kosten für Schulungsräume erspart. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung wird um etwa 30 Prozent reduziert, von 1.169 auf rund 840 Fragen.
Reduzierung der Pflichtfahrstunden
Die Anzahl der verpflichtenden Sonderfahrten soll deutlich reduziert werden. Aktuell sind zwölf Sonderfahrten vorgeschrieben, obwohl dies europarechtlich nicht zwingend ist. Künftig sollen nur noch drei Sonderfahrten erforderlich sein: eine auf der Autobahn, eine auf Land- und Bundesstraßen sowie eine bei Dunkelheit. Auch die Anzahl der Pflichtfahrstunden für Schaltwagen wird von zehn auf sieben reduziert. Diese Maßnahmen sollen die Kosten weiter senken und den Führerscheinerwerb flexibler gestalten.
Einführung der Laienausbildung
Eine der umstrittensten Neuerungen ist die Einführung der sogenannten Laienausbildung. Nach bestandener Theorieprüfung und mindestens sechs praktischen Fahrstunden sollen Fahrschüler von Eltern oder Freunden begleitet werden dürfen. Die Begleitpersonen müssen seit mindestens sieben Jahren im Besitz eines Führerscheins sein, und das Fahrzeug muss entsprechend gekennzeichnet sein. Diese Regelung soll zunächst in einem fünfjährigen Modellversuch getestet werden, ähnlich wie in Österreich, wo die Laienausbildung bereits etabliert ist.
Auswirkungen auf Fahrschulen und Fahrschüler
Die Reformpläne haben bereits jetzt Auswirkungen auf die Fahrschulbranche. Viele Fahrschulen verzeichnen einen Rückgang der Anmeldungen, da potenzielle Fahrschüler auf die Umsetzung der Reform warten. Besonders in Großstädten melden 90 Prozent der Fahrschulen einen Rückgang um 58 Prozent. Die Bundesregierung hofft, dass die Reform die Kosten senkt und mehr Menschen den Zugang zum Führerschein ermöglicht. Gleichzeitig soll die Qualität der Ausbildung durch die Beibehaltung von Mindeststandards gesichert werden.
Ausblick und nächste Schritte
Die Reformvorschläge sollen bei der Verkehrsministerkonferenz Ende März diskutiert werden. Bei einer Einigung könnten die rechtlichen Änderungen zeitnah auf den Weg gebracht werden. Ziel ist es, den Führerscheinerwerb in Deutschland kostengünstiger, digitaler und flexibler zu gestalten, ohne die Verkehrssicherheit zu beeinträchtigen.