Selenskyj im ARD-Interview: Strategien für Frieden und die Rolle des Westens
Selenskyjs diplomatische Offensive
In einem exklusiven Interview mit der ARD hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Strategie für ein Ende des Krieges mit Russland dargelegt. Selenskyj betonte, dass ein Waffenstillstand nur möglich sei, wenn die USA unter Präsident Trump und die europäischen Staaten gemeinsam Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin ausüben. Er zeigte sich kompromissbereit und signalisierte Gesprächsbereitschaft mit Putin, bestand jedoch darauf, dass territoriale Fragen nur auf höchster politischer Ebene verhandelt werden können.
Kritik an Ungarn und Forderungen an die EU
Selenskyj übte scharfe Kritik an Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, der die finanzielle Unterstützung der EU für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro blockiert. Selenskyj stellte Orbáns Haltung auf eine Stufe mit der von Putin und dem belarussischen Machthaber Lukaschenko. Zudem forderte er die EU auf, die Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine zügig voranzutreiben. Trotz des anhaltenden Krieges habe die Ukraine bereits umfangreiche Reformen umgesetzt, die andere Beitrittskandidaten in Friedenszeiten nicht erreicht hätten.
Die Rolle Deutschlands und zukünftige Erwartungen
Selenskyj lobte Deutschland für dessen führende Rolle bei der Unterstützung der Ukraine. Deutschland stehe an erster Stelle bei der finanziellen Hilfe, noch vor Norwegen. Für die Zeit nach einem möglichen Waffenstillstand wünscht sich Selenskyj eine aktivere Rolle Deutschlands, insbesondere bei der Friedenssicherung. Frankreich und Großbritannien haben bereits zugesagt, Soldaten in die Ukraine zu entsenden. Selenskyj betonte jedoch, dass dies eine unabhängige Entscheidung Deutschlands sei.
Militärische Entwicklungen und technologische Vorteile
Selenskyj bewertete die militärische Lage trotz der Herausforderungen positiv. Die Ukraine habe im südlichen Bezirk Saporischschja 300 Quadratkilometer Land zurückerobert. Ein entscheidender Vorteil sei die Abschaltung des Starlink-Systems für die russische Armee durch das Unternehmen SpaceX. Dies ermögliche der Ukraine eine sichere und abhörgeschützte Kommunikation, während russische Einheiten diese Möglichkeit verloren hätten.
Wirtschaftlicher Druck auf Russland
Selenskyj forderte die europäischen Staaten auf, den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen. Insbesondere die Ölexporte Russlands sollten weiter eingeschränkt werden. Er betonte, dass nur durch eine Kombination aus militärischem Widerstand, diplomatischem Druck und wirtschaftlichen Sanktionen ein Ende des Krieges erreicht werden könne.