Die kognitiven Kosten des Sprechens: Wie verbale Ablenkung die Fahrsicherheit untergräbt
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Die kognitiven Kosten des Sprechens: Wie verbale Ablenkung die Fahrsicherheit untergräbt

Die unterschätzte Gefahr: Visuelle Verarbeitung unter Druck

Autofahren ist eine komplexe Aufgabe, die kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert. Während die meisten Fahrer wissen, dass Telefonieren oder Gespräche mit Beifahrern ablenken, wurde lange unterschätzt, wie tiefgreifend diese Ablenkungen die visuelle Verarbeitung beeinflussen. Eine aktuelle Studie der Fujita Health University in Japan zeigt, dass Gespräche nicht nur die Reaktionszeit verlängern, sondern bereits die Augenbewegungen – den ersten Schritt der Informationsverarbeitung – verlangsamen. Diese Verzögerung kann fatale Folgen haben, da sie die Wahrnehmung von Gefahren auf der Straße beeinträchtigt.

Das Gehirn im Konflikt: Sprache vs. visuelle Kontrolle

Das menschliche Gehirn ist nicht für Multitasking ausgelegt. Wenn ein Fahrer spricht, beanspruchen sprachliche Prozesse kognitive Ressourcen, die eigentlich für die Steuerung der Augenbewegungen benötigt werden. Die Studie von Suzuki et al. (2025) belegt, dass diese Interferenz zu einer Verzögerung von bis zu 20 Millisekunden in drei kritischen Phasen der Blicksteuerung führt: der Initiierung der Augenbewegung, der Bewegungsdauer und der Stabilisierung des Blicks. Besonders problematisch ist, dass diese Verzögerungen im unteren Blickfeld – also dort, wo sich die Straße unmittelbar vor dem Fahrzeug befindet – noch ausgeprägter sind.

Methodik und Ergebnisse: Ein Blick auf die Daten

Die Forscher untersuchten 30 Probanden, die schnelle Augenbewegungen (Sakkaden) zu einem Zielpunkt ausführen sollten. Die Aufgabe wurde unter drei Bedingungen getestet: beim aktiven Beantworten von Fragen, beim passiven Zuhören eines Hörbuchs und ohne zusätzliche kognitive Belastung. Die Ergebnisse waren eindeutig: Nur das aktive Sprechen führte zu signifikanten Verzögerungen in allen drei Phasen der Blicksteuerung. Passives Zuhören hatte hingegen keinen messbaren Effekt. Dies unterstreicht, dass nicht das Hören, sondern die kognitive Anstrengung des Sprechens – insbesondere die Suche nach verbalen Antworten – die neuronale Verarbeitung der Blickkontrolle stört.

Praktische Implikationen: Warum 20 Millisekunden entscheidend sind

Auf den ersten Blick mag eine Verzögerung von 20 Millisekunden vernachlässigbar erscheinen. Doch im Straßenverkehr können diese Millisekunden den Unterschied zwischen einem rechtzeitigen Bremsmanöver und einem Unfall bedeuten. Fahrer, die sich unterhalten, erkennen Ampeln, Verkehrszeichen oder Fußgänger später – insbesondere kleine oder unerwartete Objekte wie Kinder oder Hindernisse. Die Studie zeigt, dass diese subtile Beeinträchtigung der visuellen Verarbeitung die gesamte Reaktionskette untergräbt, ohne dass sich die Fahrer dessen bewusst sind.

Lösungsansätze: Eigenverantwortung und strukturelle Maßnahmen

Die Erkenntnisse der Studie haben weitreichende Konsequenzen für die Verkehrssicherheit. Auf individueller Ebene sollten Fahrer ihr Verhalten anpassen und Gespräche während der Fahrt minimieren. Auch Freisprechanlagen bieten keine vollständige Lösung, da sie ebenfalls kognitive Ressourcen beanspruchen. Auf struktureller Ebene könnten gezielte Schulungen das Bewusstsein für die Risiken schärfen. Zudem könnten politische Maßnahmen, wie strengere Regularien für die Nutzung von Kommunikationsgeräten während der Fahrt, die Verkehrssicherheit erhöhen. Die Studie liefert damit nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch praktische Ansätze, um Unfälle zu vermeiden.

Quiz

  1. 1. Welche kognitiven Prozesse werden durch Sprechen beim Fahren beeinträchtigt?




  2. 2. Warum ist die Verzögerung der Augenbewegungen besonders im unteren Blickfeld problematisch?



  3. 3. Was zeigt die Studie über die Auswirkungen von aktivem Sprechen im Vergleich zu passivem Zuhören?



  4. 4. Warum sind 20 Millisekunden Verzögerung im Straßenverkehr relevant?



  5. 5. Welche Maßnahmen könnten die Verkehrssicherheit verbessern?




  6. 6. Was ist die Hauptaussage der Studie?



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