Syriens Frauen im Kampf um Gerechtigkeit: Rechtliche Hürden nach dem Krieg
Quelle, an Sprachniveau angepasst Politik Geschichte

Syriens Frauen im Kampf um Gerechtigkeit: Rechtliche Hürden nach dem Krieg

Die Last der Vermissten

Seit dem Ende des syrischen Bürgerkriegs im Dezember 2024 leben über 100.000 Frauen in einer rechtlichen Grauzone. Ihre Ehemänner gelten als vermisst – viele seit dem Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im Jahr 2011. Ohne Sterbeurkunde können diese Frauen kein normales Leben führen. Sie können kein Erbe antreten, keine Witwenrente beantragen und auch nicht neu heiraten.

Das veraltete Personenstandsgesetz

Das syrische Personenstandsgesetz von 1953 ist ein zentrales Problem. Es sieht vor, dass eine vermisste Person erst mit 80 Jahren für tot erklärt werden kann. Nur in Ausnahmefällen, wie bei Kriegen, ist eine Todeserklärung nach vier Jahren möglich. Doch selbst dann benötigen die Frauen die Zustimmung der männlichen Verwandten ihres Mannes. Ohne diese Zustimmung bleiben sie in einer rechtlichen und wirtschaftlichen Sackgasse.

Die Rolle der Familie und des Staates

Die Familie des Mannes hat großen Einfluss. Ohne deren Erlaubnis können die Frauen keine wichtigen Dokumente für sich oder ihre Kinder beantragen. Selbst für Schul- oder Arztbesuche der Kinder wird die Unterschrift eines männlichen Vormunds verlangt. Die syrische Übergangsregierung hat zwar eine Behörde für Vermisste eingerichtet, aber grundlegende Reformen des Familienrechts stehen noch aus.

Aktivistinnen fordern Veränderungen

Frauenrechtsorganisationen und Aktivistinnen wie Yafa Nawaf kämpfen für Reformen. Nawaf startete die Initiative "Meine Kinder, mein Recht", um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Sie fordert, dass Mütter das volle Sorgerecht für ihre Kinder erhalten und dass Kinder die Staatsangehörigkeit ihrer Mutter bekommen können. Doch die gesellschaftlichen und rechtlichen Hürden sind hoch.

Teilen:

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Wie viele Frauen in Syrien sind von dem Problem der vermissten Männer betroffen?
  2. 2. Was sieht das syrische Personenstandsgesetz vor?
  3. 3. Warum können die Frauen keine Sterbeurkunde beantragen?
  4. 4. Was fordern Aktivistinnen wie Yafa Nawaf?
  5. 5. Was brauchen die Kinder der Frauen für offizielle Dokumente?
  6. 6. Was hat die syrische Übergangsregierung bisher unternommen?
B1 Sprachniveau ändern C1