Klimawandel und Ozeanzirkulation: Die alternden Tiefen des Nordatlantiks
Die Rolle der Ozeane im Klimasystem
Die Ozeane sind ein zentraler Bestandteil des globalen Klimasystems. Durch Umwälzströmungen wie die nordatlantische Umwälzströmung (AMOC) wird Wärme aus den Tropen in höhere Breiten transportiert. Gleichzeitig sorgen diese Strömungen für die Belüftung der Tiefsee, indem sie sauerstoffreiches Oberflächenwasser in die Tiefe bringen. Diese Prozesse sind essenziell für marine Ökosysteme und die Regulation des globalen Klimas.
Verlangsamte Belüftung: Neue Forschungsergebnisse
Ein internationales Forschungsteam um Haichao Guo vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum hat mithilfe von Spurengasen wie FCKW-12 und Schwefelhexafluorid das „Alter“ des Tiefenwassers im Nordatlantik bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Belüftung des Tiefenwassers in den letzten 30 Jahren deutlich nachgelassen hat. Heute dauert es etwa zehn Jahre länger, bis frisches Wasser von der Oberfläche in die Tiefe gelangt, als noch in den 1990er Jahren.
Folgen für marine Ökosysteme und das Klima
Die verlangsamte Belüftung hat weitreichende Konsequenzen. Sauerstoffarme Zonen breiten sich aus, was das Überleben vieler Meerestiere gefährdet. Zudem schwächt die reduzierte Umwälzung die Fähigkeit der Ozeane, CO2 aufzunehmen, was die Pufferwirkung im Klimawandel verringert. Diese Entwicklung ist nicht auf den Nordatlantik beschränkt, sondern scheint ein globales Phänomen zu sein.
Ursachenanalyse: Klimawandel und die AMOC
Die Wissenschaftler führen die verlangsamte Belüftung auf den Klimawandel und die Abschwächung der AMOC zurück. Seit 1950 hat sich die AMOC um mehr als 15 Prozent abgeschwächt. Verantwortlich dafür sind sowohl die Erwärmung der Meere als auch der verstärkte Einstrom von Schmelzwasser aus der Arktis. Diese Faktoren bremsen die Umwälzpumpe aus und reduzieren den Wasseraustausch zwischen Oberfläche und Tiefe.
Langfristige Perspektiven und Handlungsbedarf
Modellsimulationen zeigen, dass die Ozeane extrem träge auf Veränderungen reagieren. Selbst wenn die CO2-Emissionen sofort gestoppt würden, bliebe die Belüftung der Meerestiefe über Jahrhunderte hinweg geschwächt. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, um eine weitere Verschlechterung der Ozeanzirkulation zu verhindern.