Wie der King’s Trough entstand: Neue Erkenntnisse über Europas tiefsten Canyon
Ein rätselhafter Canyon
Tief im Nordatlantik liegt einer der spektakulärsten Canyons der Erde: der King’s Trough. Mit einer Länge von über 300 Kilometern und einer Tiefe von 4000 Metern ist er einer der tiefsten untermeerischen Gräben Europas. Lange Zeit war unklar, wie dieser Canyon entstanden ist. Ein Forscherteam vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum in Kiel hat nun eine mögliche Erklärung gefunden.
Die Untersuchung des King’s Trough
Die Wissenschaftler nutzten hochauflösende Sonaraufnahmen und Gesteinsproben, die sie 2020 mit dem Forschungsschiff „Meteor“ sammelten. Die Daten zeigen, dass der King’s Trough sehr steile Wände hat, die typisch für einen Grabenbruch sind. Solche Gräben entstehen, wenn die Erdkruste gedehnt wird. Gleichzeitig fanden die Forscher heraus, dass ein vulkanischer Hotspot eine wichtige Rolle spielte.
Die Rolle des Azoren-Hotspots
Vor etwa 50 Millionen Jahren lag der heutige Azoren-Hotspot unter dem Gebiet, wo heute der King’s Trough liegt. Dieser Hotspot erzeugte ein großes vulkanisches Plateau. Später bewegten sich die Erdplatten, und die Iberische Mikroplatte rotierte gegen den Uhrzeigersinn. Diese Bewegung dehnte den Meeresboden so stark, dass der King’s Trough aufriss.
Ein ähnlicher Prozess heute
Interessanterweise scheint sich ein ähnlicher Prozess heute bei den Azoren zu wiederholen. Dort bildet sich der Terceira-Graben, eine Dehnungszone, die dem King’s Trough ähnelt. Ob dieser Graben irgendwann genauso spektakulär wird, ist noch unklar. Die Forscher wissen nicht, ob der Hotspot weiterwandert oder neue Vulkaninseln entstehen lässt.