Wie ein einzelner DNA-Buchstabe die Geschlechtsentwicklung steuert
Die Grundlagen der Geschlechtsentwicklung
Bei Säugetieren wie Mäusen und Menschen wird das biologische Geschlecht durch die Chromosomen bestimmt. Weibchen haben zwei X-Chromosomen, Männchen ein X- und ein Y-Chromosom. Das Y-Chromosom aktiviert ein Gen namens Sox9, das für die Entwicklung männlicher Geschlechtsorgane verantwortlich ist. Ohne Y-Chromosom entwickeln sich weibliche Organe.
Der DNA-Schalter Enh13
Forscher haben einen kleinen DNA-Abschnitt namens Enh13 entdeckt, der die Aktivität des Sox9-Gens reguliert. Dieser Abschnitt liegt nicht in einem Gen, sondern wirkt wie ein Schalter. Wenn die Wissenschaftler bei weiblichen Mäusen einen einzigen Buchstaben in Enh13 änderten, entwickelte sich bei diesen Mäusen männliche Geschlechtsorgane wie Hoden.
Mechanismus der Geschlechtsumkehr
Normalerweise wird Enh13 bei weiblichen Mäusen durch bestimmte Proteine blockiert, sodass Sox9 nicht aktiviert wird. Durch die Mutation in Enh13 funktioniert diese Blockade nicht mehr. Ein Kontrollfaktor kann sich leichter anlagern und Sox9 aktivieren, was zur Entwicklung männlicher Geschlechtsorgane führt.
Bedeutung für den Menschen
Diese Entdeckung ist auch für den Menschen relevant. Auch wir besitzen einen ähnlichen DNA-Schalter. Das könnte erklären, warum manche Menschen mit abweichender Geschlechtsentwicklung geboren werden. Die Forschung zeigt, dass nicht nur Gene, sondern auch nicht-kodierende DNA-Abschnitte wichtig sind.