Die Wiederansiedlung von Wisenten im Kaukasus: Ein Meilenstein des Artenschutzes
Ein ambitioniertes Artenschutzprojekt
Im Rahmen eines langfristigen Wiederansiedlungsprojekts sind 18 Wisente aus Deutschland in den Kaukasus nach Aserbaidschan umgesiedelt worden. Zwölf der Tiere stammen aus dem Tierpark Berlin, die übrigen sechs aus einem Wisentprojekt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Der Transport erfolgte per Frachtflugzeug und Lastwagen in den Shadagh-Nationalpark, wo die Tiere zunächst in einem Auswilderungsgehege gehalten werden, bevor sie in die Freiheit entlassen werden. Dieser Umzug markiert die größte einzelne Umsiedlung seit Beginn des Projekts im Jahr 2019 und unterstreicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Artenschutz.
Historischer Rückblick: Vom Aussterben zur Wiederansiedlung
Wisente (Bos bonasus) waren einst in ganz Europa verbreitet, wurden jedoch im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch Jagd und Lebensraumverlust fast ausgerottet. Der letzte wildlebende Wisent im Kaukasus wurde 1927 erschossen. Dank intensiver Schutz- und Zuchtprogramme in zoologischen Einrichtungen konnte die Art vor dem Aussterben bewahrt werden. Heute gibt es weltweit wieder rund 10.000 Wisente, sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn. Das Projekt von WWF Deutschland und dem Tierpark Berlin hat seit 2019 bereits 64 Wisente nach Aserbaidschan gebracht, wo sie sich erfolgreich fortpflanzen. Allein im Jahr 2025 wurden neun Kälber geboren, sodass nun rund 90 Wisente im Nationalpark leben.
Der Shadagh-Nationalpark: Ein idealer Lebensraum
Der Shadagh-Nationalpark im Norden Aserbaidschans bietet mit seinen weitläufigen Berg-, Wald- und Offenlandstrukturen ideale Voraussetzungen für eine langfristig stabile Wisentpopulation. Der Park ist eines der größten Schutzgebiete des Kaukasus und zeichnet sich durch eine außergewöhnliche biologische Vielfalt aus. Neben Wisenten leben dort auch die letzten Leoparden Europas sowie Braunbären, Wölfe und Luchse. Die Wisente, die größten Landsäugetiere Europas, finden hier ausreichend Nahrung in Form von Gräsern, Laub, Baumrinde und Sträuchern. Ein ausgewachsener Wisent benötigt täglich etwa 60 Kilogramm Nahrung.
Ökologische und politische Bedeutung des Projekts
Die Wiederansiedlung der Wisente im Kaukasus leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung nationaler, regionaler und internationaler Naturschutzziele. Projektleiter Aurel Heidelberg, Referent für die Ökoregion Kaukasus beim WWF Deutschland, betont die Bedeutung des Projekts für den Erhalt der Biodiversität. Die Rückkehr der Wisente unterstützt nicht nur die ökologische Balance, sondern fördert auch das Bewusstsein für den Artenschutz in der Region. Darüber hinaus zeigt das Projekt, wie durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit und wissenschaftliche Expertise bedrohte Arten gerettet werden können.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz der Erfolge stehen Artenschutzprojekte wie dieses vor zahlreichen Herausforderungen. Dazu gehören die Sicherung ausreichender Lebensräume, die Minimierung von Konflikten zwischen Mensch und Tier sowie die langfristige Finanzierung der Projekte. Die erfolgreiche Fortpflanzung der Wisente im Shadagh-Nationalpark ist ein vielversprechendes Zeichen, doch bedarf es weiterer Anstrengungen, um die Population nachhaltig zu sichern. Zukünftige Projekte könnten auch die genetische Vielfalt der Wisente stärken, um ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen zu verbessern.