Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige: Eine kritische Bilanz
Einführung des Verbots und erste Reaktionen
Vor einem halben Jahr führte Australien ein Gesetz ein, das Kindern unter 16 Jahren die Nutzung von Social-Media-Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat verbietet. Die Regierung wollte damit die Jugend vor den negativen Auswirkungen sozialer Medien schützen. Kurz nach Inkrafttreten wurden etwa fünf Millionen Accounts gesperrt. Doch schnell zeigte sich, dass viele Jugendliche Wege finden, das Verbot zu umgehen.
Schlupflöcher und Umgehungsstrategien
Eine Umfrage der australischen Kommission für Internetsicherheit ergab, dass etwa 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen weiterhin aktive Social-Media-Accounts besitzen. Viele nutzen die Accounts älterer Geschwister oder Freunde, um sich anzumelden. Besonders problematisch ist die Gesichtserkennung, die leicht ausgetrickst werden kann. Ein 14-jähriger Jugendlicher berichtete, dass er mit einem ausgedruckten Foto von Michael Jackson die Alterskontrolle umgehen konnte.
Kritik an der Umsetzung
Experten kritisieren, dass die Plattformen nicht alle technischen Möglichkeiten zur Altersverifikation nutzen. Iain Corby, Chef eines Branchenverbands, betont, dass es effektivere Methoden gibt, wie die Vorlage eines Ausweises oder einer Kreditkarte. Die Regierung droht den Plattformen mit hohen Strafen von bis zu 30 Millionen Euro, falls sie das Gesetz nicht umsetzen. Bisher musste jedoch noch kein Unternehmen zahlen.
Positive Effekte und gesellschaftliche Diskussion
Trotz der Umgehungsstrategien gibt es auch positive Effekte. In South Australia berichten Schulen von mehr sportlichen Aktivitäten und einer Zunahme des Bücherlesens unter Jugendlichen. Eltern sprechen häufiger mit ihren Kindern über einen gesunden Umgang mit sozialen Medien. Die Diskussion über das Verbot hat somit zumindest ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen.