Nueva Germania: Eine deutsche Kolonie in Paraguay und ihre problematische Geschichte
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Nueva Germania: Eine deutsche Kolonie in Paraguay und ihre problematische Geschichte

Antisemitismus und die Suche nach einer Utopie

Ende des 19. Jahrhunderts war der deutsche Lehrer Bernhard Förster eine umstrittene Figur. Als glühender Antisemit glaubte er, dass Juden die deutsche Kultur bedrohten. Förster träumte von einem „judenfreien“ Germanien und suchte nach einem Ort, um seine rassistische Utopie zu verwirklichen. Zusammen mit seiner Frau Elisabeth, der Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, fand er diesen Ort in Paraguay. 1887 gründeten sie dort die Kolonie Nueva Germania.

Die Werbekampagne und die Realität vor Ort

Förster warb in Deutschland intensiv für seine Pläne. Er versprach fruchtbare Böden, ein gesundes Klima und ein besseres Leben. Doch nur 14 Familien folgten ihm nach Paraguay. Die meisten Siedler waren Handwerker und hatten wenig Geld. Vor Ort mussten sie schnell erkennen, dass Försters Versprechungen nicht der Realität entsprachen. Das Klima war extrem, die Böden ungeeignet für die Landwirtschaft, und viele Siedler erkrankten an tropischen Krankheiten.

Soziale Ungleichheit und das Scheitern der Kolonie

Während die Siedler in einfachen Hütten lebten und um ihr Überleben kämpften, residierte das Ehepaar Förster in einem luxuriösen Haus. Diese soziale Ungleichheit führte zu großer Unzufriedenheit. Ohne die Hilfe der indigenen Guaraní hätten viele Siedler nicht überleben können. Förster konnte seine vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der paraguayischen Regierung nicht erfüllen. Er hatte zugesagt, 140 Familien anzusiedeln, aber es kamen nur 40. Wirtschaftlich war die Kolonie ein Desaster.

Das Ende von Bernhard Förster und die Nachwirkungen

1889 starb Bernhard Förster unter ungeklärten Umständen, wahrscheinlich durch Selbstmord. Seine Frau Elisabeth versuchte, die Kolonie weiterzuführen, scheiterte jedoch und kehrte nach Deutschland zurück. Heute existiert Nueva Germania noch, aber die Geschichte der Kolonie ist umstritten. Viele Nachfahren der Siedler distanzieren sich von der rassistischen Vergangenheit. Dennoch zieht das Dorf gelegentlich rechtsextreme Touristen an, die auf der Suche nach Devotionalien aus der Gründungszeit sind.

Parallelen zur Gegenwart

Die Archäologin Natascha Mehler, die die Geschichte von Nueva Germania erforscht hat, entdeckte erstaunliche Parallelen zur Gegenwart. Während der Corona-Pandemie wurde Paraguay zum Ziel vieler deutscher Impfgegner. Förster hatte bereits im 19. Jahrhundert gegen die Pockenimpfpflicht gewettert und Paraguay als Ort der Freiheit angepriesen. Diese historische Kontinuität zeigt, wie bestimmte Ideologien und Versprechungen über die Zeit hinweg wirken.

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Welche Ideologie vertrat Bernhard Förster?
  2. 2. Wie viele Familien folgten Förster nach Paraguay?
  3. 3. Warum scheiterte die Kolonie wirtschaftlich?
  4. 4. Wer half den Siedlern beim Überleben?
  5. 5. Was passierte mit Bernhard Förster?
  6. 6. Welche Parallelen zur Gegenwart entdeckte die Archäologin Natascha Mehler?
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