Kühlschrank-Mikrobiom: Ein komplexes Ökosystem mit gesundheitlichen Risiken
Vielfalt der Mikroben im Kühlschrank
Eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat gezeigt, dass unsere Kühlschränke ein hochdiverses Mikrobiom beherbergen. In 45 untersuchten Haushaltskühlschränken fanden die Forscher insgesamt 2.184 verschiedene Bakterienarten. Die Bandbreite reichte von nur 26 Arten in einem Kühlschrank bis zu 589 Arten in einem anderen. Diese Vielfalt entsteht durch ständige Neueinträge von Bakterien aus Lebensmitteln, unserer Haut und Oberflächenkontakten.
Harmlose und pathogene Bakterien
Die meisten Bakterien im Kühlschrank sind harmlos und stammen aus fermentierten Lebensmitteln wie Käse, Sauerkraut oder Kimchi. Auch typische Hautbewohner wie Acinetobacter und Pseudomonas sind häufig vertreten. Allerdings fanden die Forscher in 27 der 45 Kühlschränke auch pathogene Bakterien. Besonders häufig war Bacillus cereus, der Lebensmittelvergiftungen auslösen kann. Staphylococcus aureus, ein potenziell gefährlicher Erreger für immungeschwächte Personen, wurde in sieben Kühlschränken nachgewiesen.
Antibiotikaresistenzen: Ein unterschätztes Problem
Ein alarmierendes Ergebnis der Studie ist das Vorkommen antibiotikaresistenter Bakterien in vielen Kühlschränken. Die Forscher fanden Resistenzgene gegen verschiedene Antibiotikaklassen, darunter Tetracycline, Beta-Laktame (wie Penicilline) und Aminoglykoside. Besonders in älteren Kühlschränken waren diese Resistenzen häufiger, was auf die Bildung stabiler Biofilme zurückzuführen ist. Diese Biofilme bieten den Bakterien Schutz und ermöglichen die Anreicherung von Resistenzgenen.
Einfluss von Hygiene und Temperatur
Die Studie zeigt, dass regelmäßige Reinigung einen erheblichen Einfluss auf die mikrobiologische Sicherheit hat. Kühlschränke, die längere Zeit nicht gereinigt wurden, wiesen eine deutlich höhere Mikrobenbelastung auf. Interessanterweise hatte die Kühlschranktemperatur (zwischen 4 und 5 Grad Celsius) kaum Einfluss auf die Bakterienvielfalt. Dies unterstreicht die Bedeutung von Hygienemaßnahmen zusätzlich zur Kühlung, um die Verbreitung von Krankheitserregern und Resistenzgenen zu kontrollieren.
Fazit: Kühlschrankhygiene als Gesundheitsvorsorge
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass der Kühlschrank nicht als isolierte, keimfreie Zone betrachtet werden kann. Vielmehr ist er ein dynamisches Ökosystem, das sowohl harmlose als auch potenziell gefährliche Mikroorganismen beherbergt. Regelmäßige Reinigung und gute Hygienepraktiken sind essenziell, um die Gesundheit zu schützen und die Lebensmittelqualität zu erhalten. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für Verbraucher und unterstreicht die Notwendigkeit, den Kühlschrank als integralen Bestandteil der Küchenhygiene zu betrachten.