El Niño 2023: Ein historisches Wetterphänomen und seine globalen Auswirkungen
Einleitung: Rekordtemperaturen im Pazifik
Die Niño-3.4-Region im zentralen und östlichen Pazifik verzeichnet aktuell Rekordtemperaturen. Laut Daten der Plattform Climate Reanalyzer der University of Maine hat die durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur erstmals die 30-Grad-Marke überschritten. Mit einer Abweichung von 3,39 Grad über dem Referenzzeitraum von 1991 bis 2020 handelt es sich um das wärmste Ereignis seit Beginn der Aufzeichnungen. Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) bezeichnet dies als ein „außergewöhnliches ‚Super‘-Ereignis“, das selbst die starken El Niños von 1997 und 2015 in den Schatten stellt.
Die Prognosen der Weltwetterorganisation (WMO)
Die WMO geht in ihrer aktuellen Prognose davon aus, dass die Temperaturen im zentralen und östlichen Pazifik bis Dezember weiter steigen werden. El Niño, der bereits jetzt als extrem eingestuft wird, dürfte seinen Höhepunkt im Dezember erreichen und mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit bis Februar 2027 anhalten. Damit könnte dieses Ereignis zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 zählen. Die Folgen sind global spürbar: Überdurchschnittliche Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster werden in vielen Regionen der Welt erwartet.
Regionale Auswirkungen: Von Dürren bis zu Überschwemmungen
Die Auswirkungen von El Niño sind regional sehr unterschiedlich. In Indonesien, Teilen Südostasiens, dem nördlichen Südamerika und dem südlichen Afrika steigt das Risiko für ausgeprägte Trockenheit. Diese Regionen sind wichtige Agrarproduzenten, sodass die globalen Nahrungsmittelversorgungsketten gefährdet sein könnten. Gleichzeitig erhöht sich das Risiko für Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche an der Westküste Südamerikas sowie in Teilen Ostafrikas. Im östlichen und zentralen Pazifik begünstigt El Niño zudem die Entstehung von Hurrikanen.
El Niño und der Klimawandel: Eine gefährliche Wechselwirkung
El Niño ist ein natürliches Phänomen, das nicht direkt durch den Klimawandel verursacht wird. Dennoch kann es dessen Folgen verstärken. Wie WMO-Chefin Celeste Saulo erklärt, setzt El Niño keine neue Wärme frei, sondern gibt gespeicherte Wärme aus dem Ozean ab. Da die Ozeane aktuell wärmer sind als je zuvor, steht mehr Energie zur Verfügung, die freigesetzt werden kann. Dies könnte dazu führen, dass 2027 ein neues Rekordjahr bei den globalen Temperaturen wird. Langfristig bleibt jedoch die menschengemachte Erwärmung der entscheidende Faktor für neue Hitzerekorde. Starke El-Niño-Ereignisse setzen dann auf einem immer höheren Ausgangsniveau auf und begünstigen so weitere Temperaturrekorde.