Hautkrebsscreening: Nutzen und Kritik im Überblick
Das Hautkrebsscreening in Deutschland
Seit 2008 haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebsscreening. Dabei untersucht ein Hautarzt die Haut auf verdächtige Veränderungen. Ziel ist es, Hautkrebs – insbesondere den gefährlichen schwarzen Hautkrebs – frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Doch das Screening ist umstritten.
Geringe Teilnahme und steigende Diagnosen
Trotz des kostenlosen Angebots nutzt nur etwa ein Viertel der Berechtigten das Screening. Gleichzeitig sind die Diagnosen und Behandlungen von Hautkrebs seit 2008 stark gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt haben sich die stationären Behandlungen wegen Hautkrebs fast verdoppelt. Kritiker argumentieren, dass viele dieser Diagnosen möglicherweise falsch-positiv sind – also harmlose Hautveränderungen fälschlich als Krebs eingestuft werden.
Wissenschaftliche Zweifel am Nutzen
Ein zentraler Kritikpunkt ist, dass das Screening die Sterblichkeit durch Hautkrebs nicht verringert hat. Im Gegenteil: Die Todesfälle durch Hautkrebs sind in den letzten 20 Jahren um etwa 60 Prozent gestiegen. Studien, darunter eine Cochrane-Metastudie, kommen zu dem Schluss, dass der Nutzen des Screenings nicht eindeutig belegt ist. Experten wie Jean-Francois Chenot von der Universitätsmedizin Greifswald sagen: "Das Hautkrebsscreening hat nicht funktioniert."
Forderungen nach einem zielgruppenspezifischen Screening
Wegen der uneindeutigen Datenlage fordern viele Gesundheitsexperten, das Screening auf Risikogruppen zu beschränken. Dazu gehören Menschen mit heller Haut, familiärer Vorbelastung oder beruflicher Sonnenexposition. Ein ähnliches Modell gibt es bereits beim Lungenkrebsscreening für starke Raucher. Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant jedoch, das Screening im Rahmen einer Gesundheitsreform möglicherweise ganz zu streichen.