Archäologische Revisionen: Die Vigiles und die komplexe Nutzung des Caelius-Hügels im kaiserzeitlichen Rom
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Archäologische Revisionen: Die Vigiles und die komplexe Nutzung des Caelius-Hügels im kaiserzeitlichen Rom

Archäologische Entdeckungen und ihre Implikationen

Die jüngsten Ausgrabungen auf dem Caelius-Hügel in Rom haben eine Reihe von Räumlichkeiten zutage gefördert, die neue Fragen zur urbanen und militärischen Struktur des kaiserzeitlichen Roms aufwerfen. Von den acht identifizierten Räumen wurden bislang fünf freigelegt, wobei ein schwarz-weißes Mosaik mit maritimen Motiven – darunter ein Delfin, ein Fisch, ein Hummer und ein Krebs – besondere Aufmerksamkeit erregt. Dieses Mosaik weist frappierende Ähnlichkeiten zu einem Fund in der Hafenstadt Ostia auf, wo es zweifelsfrei einer Kaserne der Vigiles, der römischen Feuerwehr, zugeordnet werden konnte. Die Entdeckung wirft die Frage auf, ob die Räume auf dem Caelius ebenfalls Teil eines militärischen Komplexes waren oder ob sie einer anderen Nutzung dienten.

Die Vigiles: Eine multifunktionale militärische Einheit

Die Vigiles, gegründet im Jahr 6 n. Chr. durch Kaiser Augustus, stellten eine innovative Institution dar, die sowohl feuerwehrtechnische als auch polizeiliche und militärische Aufgaben übernahm. Rom war in vierzehn Regionen unterteilt, die von sieben Kohorten der Vigiles überwacht wurden. Jede Kohorte bestand zunächst aus 560 Mann, später wurde die Mannstärke auf 1120 erhöht. Die Vigiles patrouillierten nachts durch die Stadt, um Brände frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Darüber hinaus waren sie in die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung eingebunden und fungierten als eine Art städtische Miliz. Ihre Kasernen, wie die in Ostia, waren oft mit repräsentativen Elementen ausgestattet, was auf ihre doppelte Funktion als militärische und administrative Einheiten hindeutet.

Kontroverse Deutungen der Räumlichkeiten

Die Interpretation der neu entdeckten Räume gestaltet sich komplex. Zwei Hauptthesen stehen sich gegenüber: Die erste These postuliert, dass die Räume Teil der Kaserne der Vigiles waren. Diese Annahme stützt sich primär auf das Mosaik, das dem in Ostia gefundenen Motiv entspricht. Sollte diese These zutreffen, könnte der Fund die bisherige Vorstellung von der Ausdehnung des militärischen Komplexes auf dem Caelius-Hügel revidieren. Im 2. Jahrhundert n. Chr. entwickelte sich dieser Hügel zu einem bedeutenden Militärviertel, in dem sich nicht nur die Vigiles, sondern auch andere militärische und administrative Einrichtungen konzentrierten.

Die zweite These geht davon aus, dass die Räume zu einem privaten Stadthaus gehörten. Der Caelius-Hügel war bekannt für die Anwesen der römischen Elite. In unmittelbarer Nähe befand sich beispielsweise das Anwesen von Domitia Lucilla, der Mutter des Kaisers Mark Aurel. Die luxuriöse Ausstattung der Räume mit Mosaiken und Fresken könnte auf einen privaten Besitzer hindeuten. Diese These wird durch das Fehlen typischer architektonischer Merkmale einer militärischen Kommandeurswohnung gestützt, wie etwa eines Atriums oder Peristyls.

Mögliche Funktionen und weitere Forschungsansätze

Falls die Räume tatsächlich zur Kaserne der Vigiles gehörten, ist es unwahrscheinlich, dass sie als Unterkünfte für einfache Soldaten dienten. Vielmehr könnten sie als Repräsentationsräume genutzt worden sein, in denen der Tribunus, der oberste Befehlshaber der Kohorte, residierte. Allerdings fehlen bislang eindeutige architektonische Hinweise auf eine solche Nutzung. Die Grabungsleiterin Simona Morretta betont, dass weitere Ausgrabungen und Analysen notwendig sind, um die genaue Funktion der Räume zu klären.

Die Bedeutung des Fundes für die historische und archäologische Forschung

Dieser Fund ist von erheblicher Bedeutung für die Rekonstruktion der urbanen und militärischen Geschichte Roms. Sollte sich herausstellen, dass die Räume zur Kaserne der Vigiles gehörten, könnte dies nicht nur die Kenntnisse über die Organisation und räumliche Ausdehnung dieser Einheit erweitern, sondern auch neue Einblicke in die soziale und administrative Struktur des Caelius-Hügels liefern. Gleichzeitig unterstreicht der Fund die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung archäologischer Befunde, die oft mehrere Deutungsmöglichkeiten zulassen. Die weitere Erforschung dieser Räumlichkeiten wird zeigen, inwiefern sie unser Bild vom kaiserzeitlichen Rom prägen und möglicherweise revidieren können.

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Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Was wurde bei den jüngsten Ausgrabungen auf dem Caelius-Hügel entdeckt?
  2. 2. Welche Motive sind auf dem Mosaik in einem der Räume dargestellt?
  3. 3. Wann und durch wen wurden die Vigiles gegründet?
  4. 4. Welche Aufgaben hatten die Vigiles im kaiserzeitlichen Rom?
  5. 5. Welche zwei Hauptthesen gibt es zur Nutzung der neu entdeckten Räume?
  6. 6. Welche architektonischen Merkmale fehlen, die auf eine Kommandeurswohnung hindeuten würden?
  7. 7. Warum ist dieser Fund für die historische und archäologische Forschung von Bedeutung?

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