Ostsee im Rekord-Tiefstand: Ein historischer Wassereinbruch steht bevor
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Ostsee im Rekord-Tiefstand: Ein historischer Wassereinbruch steht bevor

Ein historischer Tiefstand mit weitreichenden Folgen

Die Ostsee steht aktuell vor einer außergewöhnlichen Situation: Der Wasserpegel liegt 67 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert – ein Rekordtief seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. Verantwortlich für diesen extremen Wasserverlust sind anhaltende Ostwinde, die seit Januar 2026 das Meerwasser durch die schmalen Meerengen zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland in die Nordsee gedrückt haben. Insgesamt fehlen etwa 275 Kubikkilometer Wasser, was etwa 1,5 Prozent des gesamten Ostseewassers entspricht. Dieser massive Wasserverlust schafft jedoch auch günstige Bedingungen für ein seltenes und bedeutendes ozeanographisches Ereignis: einen Major Baltic Inflow.

Major Baltic Inflow: Ein seltenes und entscheidendes Phänomen

Ein Major Baltic Inflow bezeichnet den Einstrom großer Mengen salz- und sauerstoffreichen Wassers aus der Nordsee in die Ostsee. Solche Ereignisse sind selten, aber von großer Bedeutung für das Ökosystem der Ostsee. Normalerweise sind Pegelstände von 20 Zentimetern unter dem Mittel bereits ein guter Indikator für die Möglichkeit eines solchen Einstroms. Der aktuelle Pegelstand, der mehr als dreimal so niedrig ist, erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Major Baltic Inflow jedoch deutlich. Experten des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde schätzen die Chance für einen solchen Einstrom auf 80 bis 90 Prozent.

Historische Einströme und ihre Auswirkungen

Der größte bisher dokumentierte Major Baltic Inflow fand 1972 statt und brachte etwa 2,77 Gigatonnen Salz in die Ostsee. Damals lag der Pegelstand bei 63,9 Zentimetern unter dem Mittel. Da der aktuelle Wasserstand noch niedriger ist, könnte der bevorstehende Einstrom sogar einen neuen Rekord aufstellen. Historische Daten zeigen, dass solche Einströme erhebliche Auswirkungen auf das Ökosystem der Ostsee haben. Sie transportieren nicht nur Salz, sondern auch große Mengen Sauerstoff in die tiefen Becken der Ostsee, die unter chronischem Sauerstoffmangel leiden.

Ökologische Herausforderungen der Ostsee

Die Ostsee ist ein einzigartiges, aber auch fragiles Ökosystem. Aufgrund ihrer geographischen Lage – sie ist fast vollständig von Land umgeben – und ihrer geringen Tiefe erwärmt sie sich schneller als andere Meere. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Ostsee um etwa 1,5 Grad Celsius erwärmt, und marine Hitzewellen, bei denen die Wassertemperaturen wochenlang um bis zu zehn Grad über dem Normalwert liegen, häufen sich. Zudem haben sich sauerstoffarme „Todeszonen“ in den tiefen Becken der Ostsee ausgebreitet, die das Leben vieler Meerestiere bedrohen.

Mögliche positive Effekte des bevorstehenden Einstroms

Ein Major Baltic Inflow könnte der Ostsee eine dringend benötigte Frischekur verpassen. Das kalte, sauerstoffreiche Nordseewasser würde nicht nur die sauerstoffarmen Zonen verkleinern, sondern auch zur Abkühlung der Ostsee beitragen. Volker Mohrholz vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung erklärt: „Ein Einstrom ausreichender Intensität könnte die seit rund zwei Jahrzehnten anhaltend erhöhten Tiefenwasser-Temperaturen in den zentralen Ostseebecken beenden.“ Zudem würde der Einstrom die Schichtung des Ostseewassers durchmischen und so die Nährstoffverteilung verbessern, was langfristig das gesamte Ökosystem stabilisieren könnte.

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Was ist die Hauptursache für den aktuellen Rekord-Tiefstand der Ostsee?
  2. 2. Was versteht man unter einem „Major Baltic Inflow“?
  3. 3. Warum ist der aktuelle Pegelstand der Ostsee besonders günstig für einen Major Baltic Inflow?
  4. 4. Welche ökologischen Probleme hat die Ostsee aktuell?
  5. 5. Welche positiven Effekte könnte ein Major Baltic Inflow haben?
  6. 6. Wie hoch schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit für einen Major Baltic Inflow ein?
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