Russisches Überhorizont-Radar in Kaliningrad: Eine Bedrohung für die NATO
Ein neues "Ohr" für Russland
In der stark militarisierten russischen Exklave Kaliningrad steht der Bau eines riesigen Radarsystems kurz vor dem Abschluss. Russland hat den Bau nicht bestätigt. Die Anlage nahe Gwardeisk besteht aus drei strahlenförmig angeordneten Armen, die jeweils über 500 Meter lang sind. Von oben betrachtet erinnern sie an eine Landeplattform für Außerirdische. Es handelt sich um ein sogenanntes Überhorizont-Radar (OTH), das über die Erdkrümmung hinausblicken kann. Die Überwachungsreichweite beträgt etwa 3000 Kilometer. Damit kann Moskau fast jeden Winkel Europas sowie die gesamte Ukraine im Blick behalten.
Funktionen und Gefahren
Das Radar kann Satellitenkommunikation abhören, elektronische Signale stören und sowohl Flugbewegungen als auch ballistische Raketen aufspüren. Der litauische Sicherheitsexperte Vaidotas Malinionis bezeichnet das System als Frühwarnsystem, das Russland mehr Zeit für Entscheidungen geben soll, falls die NATO Truppen bewegt. Die lettische Geopolitik-Expertin Evija Djatkovica warnt jedoch, dass das Radar bestehende Lücken bei der Erkennung tief fliegender Objekte schließt. Dadurch verlieren Drohnen an Wirksamkeit, die in regionalen Verteidigungsstrategien zunehmend eingesetzt werden. Laut der britischen Zeitung The Times wertet das Unternehmen ICEYE den Ausbau als Beweis für die Militarisierung Kaliningrads. Zudem verschärft sich der Wettstreit um die militärische Vorherrschaft in der Region, was die Gefahr eines Präventivschlags erhöht.
Kaliningrad als militärisches Zentrum
Die Exklave Kaliningrad liegt an der Ostsee zwischen Polen und Litauen und misst nur 200 mal 100 Kilometer. Dennoch ist sie hochgerüstet: Mehr als 20 Anlagen für Fernmelde- und elektronische Kampfführung durchziehen die Region. Satellitenbilder zeigen neue Unterstände für Kampfflugzeuge auf dem Militärflugplatz Tschkalowsk sowie Startrampen für S-400-Raketen in Baltijsk. Ein weiterer kreisförmiger Antennenkomplex wurde nahe Tschernjachowsk entdeckt. Manche Quellen vermuten bis zu 100 Nuklearsprengköpfe in Kaliningrad. Russland hat gedroht, Atomwaffen einzusetzen, sollte die NATO die Exklave blockieren, während Polen einen Windpark zu einer Überwachungsanlage umbaut. Allerdings hat das Radar einen Nachteil: Wegen seiner Größe ist es ein leichtes Ziel.