Deutsche Wertarbeit im Visier: Warum US-Investoren auf den deutschen Mittelstand setzen
Die Anziehungskraft deutscher Traditionsunternehmen
Deutsche Unternehmen, insbesondere im Industrie- und Fertigungssektor, sind für ihre hohe Spezialisierung, robuste Kundenbeziehungen und technologisches Know-how bekannt. Diese Eigenschaften machen sie zu attraktiven Zielen für US-Investoren. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Finanzdatenanbieter Pitchbook 76 Übernahmen und Beteiligungen an deutschen Industrie- und Fertigungsunternehmen mit US-Beteiligung, was ein deutlich gestiegenes finanzielles Volumen dieser Transaktionen zeigt.
Demografischer Wandel und Nachfolgeproblematik
Ein zentraler Faktor für den Verkauf deutscher Unternehmen ist der demografische Wandel. Viele Unternehmer erreichen ein Alter, in dem sie den Ruhestand anstreben. Da oft kein familieninterner Nachfolger zur Verfügung steht, kommen Unternehmen auf den Markt, die unter anderen Umständen möglicherweise nicht verkauft worden wären. Diese Situation bietet US-Investoren die Gelegenheit, in den deutschen Mittelstand zu investieren. Experten wie Samar-Ahmad Albrecht-Mahmood von Veracity Capital Investments betonen, dass das Interesse an solchen Unternehmen weiterhin hoch bleibt.
Prominente Übernahmen und aktuelle Trends
In diesem Jahr gab es mehrere bedeutende Übernahmen durch US-Investoren. Dazu zählen der Verkauf des Ventilatorenherstellers Ebm-Papst an Madison Air für 5,4 Milliarden Dollar und die Übernahme von 51 Prozent der Anteile an Everllence durch Bain Capital. Diese Beispiele verdeutlichen das anhaltende Interesse an deutschen Unternehmen. Laut dem Branchendienst Die deutsche Wirtschaft besitzen die USA mit 1.750 Unternehmen die meisten deutschen Firmen in ausländischem Besitz.
Investitionsvolumen und wirtschaftliche Perspektiven
Obwohl die Anzahl der Übernahmen nicht zugenommen hat, ist das finanzielle Volumen der Transaktionen deutlich gestiegen. Ein herausragendes Beispiel ist die Investition von Carlyle und der Qatar Investment Authority in BASF Coatings in Höhe von 7,7 Milliarden Euro. Eine Umfrage der amerikanischen Handelskammer in Deutschland zeigt, dass 62 Prozent der befragten US-Unternehmen von verbesserten Bedingungen in den nächsten drei bis vier Jahren ausgehen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen plant, ihre Aktivitäten in Deutschland auszubauen.
Diskrepanz zwischen Übernahmen und Direktinvestitionen
Interessanterweise scheint die Zunahme von Übernahmen und Beteiligungen nicht mit den rückläufigen US-Direktinvestitionen in Deutschland zu korrelieren. Laut Bundesbank flossen 2025 deutlich weniger Investitionskapital aus den USA nach Deutschland als im Vorjahr. Dennoch bleibt das Interesse an deutschen Unternehmen bestehen. Experten führen dies auf die moderaten Bewertungen deutscher Firmen im Vergleich zu US-Unternehmen zurück, was Übernahmen für internationale Käufer attraktiv macht.