VfL Wolfsburg: Systematische Fehlentscheidungen führen zum historischen Bundesliga-Abstieg
Der erste Abstieg nach 29 Jahren: Ein Verein am Tiefpunkt
Nach 29 ununterbrochenen Jahren in der Bundesliga steigt der VfL Wolfsburg erstmals ab. Der Verein, der 2009 Deutscher Meister und 2015 DFB-Pokalsieger wurde, hat in der Saison 2025/26 nur 29 Punkte geholt – ein historisches Tief. Trotz der finanziellen Unterstützung durch den Hauptsponsor Volkswagen konnte der Verein die jahrelangen strukturellen Probleme nicht lösen. Der Abstieg ist das Ergebnis einer Serie von Fehlentscheidungen in Management, Kaderplanung und sportlicher Führung.
Management-Versagen: Der „Wolfsburger Weg“ als Irrweg
Die Probleme begannen mit der Verpflichtung von Peter Christiansen als Geschäftsführer im Sommer 2024. Christiansen, der zuvor beim FC Kopenhagen erfolgreich war, hatte jedoch kaum Erfahrung in der Bundesliga. Sein Konzept des „Wolfsburger Wegs“, das eine einheitliche Spielphilosophie für alle Teams des Vereins vorsah, scheiterte kläglich. Statt einer klaren sportlichen Ausrichtung hinterließ Christiansen einen desolaten Kader und vernachlässigte wichtige personelle Entscheidungen. Besonders kritisch war die Nicht-Verlängerung des Vertrags mit Ralf Kellermann, dem langjährigen und erfolgreichen Direktor des Frauenfußballs. Kellermann wechselte zu Borussia Dortmund, was den Frauenfußball des VfL nachhaltig schwächen könnte.
Trainerwechsel und Transferdesaster: Ein Kader ohne Perspektive
Die sportliche Krise wurde durch eine Reihe von Fehlentscheidungen im Trainerstab und bei Transfers verschärft. Der zunächst verpflichtete Trainer Paul Simonis, ein Niederländer ohne Bundesliga-Erfahrung, scheiterte bereits nach wenigen Monaten. Sein Nachfolger, Nachwuchstrainer Daniel Bauer, konnte die Mannschaft zwar kurzfristig stabilisieren, doch ein historisches 1:8 gegen den FC Bayern München markierte den Tiefpunkt der Saison. Die Transferpolitik unter Christiansen war ebenfalls katastrophal: Spieler wie Kento Shiogai und Jonas Adjetey, für die zusammen rund 20 Millionen Euro gezahlt wurden, kamen kaum zum Einsatz. Die Mannschaft kassierte 69 Gegentore – ein Negativrekord in der Vereinsgeschichte.
Dieter Hecking: Zu wenig, zu spät
Erst die Verpflichtung von Dieter Hecking im März 2026 brachte eine gewisse Stabilisierung. Hecking, der den VfL bereits 2015 zum Pokalsieg geführt hatte, reduzierte die individuellen Fehler und führte die Mannschaft in die Relegation. Doch trotz eines 0:0 im Hinspiel gegen Paderborn reichte es im Rückspiel nicht: Ein Platzverweis gegen Joakim Maehle in der ersten Halbzeit und eine 1:2-Niederlage in der Verlängerung besiegelten den Abstieg. Heckings Einfluss war an diesem Abend begrenzt – die strukturellen Probleme des Vereins konnte auch er nicht mehr lösen.
Die Zukunft: Ein Neuanfang mit ungewissem Ausgang
Der VfL Wolfsburg steht vor einem radikalen Umbruch. Viele Spieler mit laufenden Verträgen werden den Verein verlassen wollen, was die Planung für die zweite Liga erschwert. Es gibt Spekulationen über eine Rückkehr von Marcel Schäfer, der 2024 zu RB Leipzig gewechselt war, als Geschäftsführer. Alternativ könnte Dieter Hecking neben dem im Winter verpflichteten Sportdirektor Pirmin Schwegler eine Führungsrolle im Management übernehmen. Eines ist jedoch klar: Ohne eine grundlegende Neuausrichtung wird der VfL Wolfsburg auch in der zweiten Liga Schwierigkeiten haben, an alte Erfolge anzuknüpfen.