Internationale Walfangkommission scheitert mit Südatlantik-Schutzgebiet – Ursachen und Konsequenzen
Ein historischer Rückschlag für den Walschutz
Die Internationale Walfangkommission (IWC) hat auf ihrer jüngsten Konferenz in Tasmanien erneut einen herben Rückschlag erlitten: Der Vorschlag für ein Walschutzgebiet im Südatlantik, das mehr als doppelt so groß wie die Vereinigten Staaten gewesen wäre, verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit um lediglich vier Stimmen. Der Plan, der bereits Ende der 1990er-Jahre von Argentinien, Brasilien und Uruguay eingebracht worden war, hätte den globalen Walschutz deutlich voranbringen sollen. Doch trotz breiter Unterstützung scheiterte er an der Blockadehaltung einer Minderheit von Mitgliedstaaten.
Bereits 1974 und 1994 waren Schutzgebiete im Indischen Ozean und in der Antarktis eingerichtet worden. Das geplante Schutzgebiet im Südatlantik wäre das dritte weltweit gewesen. Die Konferenz in Hobart, an der rund 300 Delegierte aus 67 der 89 IWC-Mitgliedsländer teilnahmen, zeigte jedoch einmal mehr die tiefen Gräben innerhalb der Kommission auf. Während eine Mehrheit der Länder den Schutz der Wale priorisiert, halten einige Staaten an wirtschaftlichen oder traditionellen Interessen fest.
Politische Allianzen und wirtschaftliche Interessen
Deutschland gehörte zu den Unterstützern des Schutzgebiets, doch wichtige Verbündete wie Finnland und Luxemburg fehlten bei der Abstimmung. Umweltorganisationen wie Greenpeace und der International Fund for Animal Welfare (IFAW) kritisierten scharf, dass eine Allianz aus Walfangnationen und ihren Unterstützern den Vorschlag gezielt blockiert habe. Besonders Japan, das 2019 aus der IWC ausgetreten ist, wird vorgeworfen, afrikanische und karibische Staaten zu beeinflussen, um die Interessen Tokios in der Kommission zu vertreten.
Matt Collis vom IFAW bezeichnete die Blockade als „empörend“ und betonte, dass Walfangnationen in der Region selbst keine Wale jagen. Seit über zwei Jahrzehnten stehe eine Minderheit gegen den Willen der Mehrheit der Anrainerstaaten, die den Schutz der Wale befürworten. Diese politische Pattsituation wirft Fragen nach der Handlungsfähigkeit der IWC auf und zeigt, wie schwierig es ist, internationale Abkommen zum Artenschutz umzusetzen, wenn wirtschaftliche oder geopolitische Interessen dagegenstehen.
Teilerfolge und zukünftige Herausforderungen
Trotz des gescheiterten Schutzgebiets konnten auf der Konferenz auch Fortschritte erzielt werden. So einigten sich die Delegierten darauf, den Datenaustausch zu Walstrandungen zu verbessern, um die Ursachen besser zu verstehen und zukünftige Strandungen möglicherweise zu verhindern. Ein weiteres wichtiges Thema war die Kollision von Walen mit Schiffen, die jährlich tausende Tiere das Leben kostet. Die IWC verabschiedete eine Resolution, die eine Anpassung von Schiffsrouten vorsieht, um die Tiere zu schützen. Zudem wurde eine Resolution angenommen, die den Beifang von Kleinwalen und Delfinen in Fischernetzen verringern soll.
Obwohl diese Resolutionen rechtlich nicht bindend sind, können sie politischen Druck auf die Mitgliedstaaten ausüben und als Grundlage für nationale oder regionale Maßnahmen dienen. Die IWC steht jedoch vor der Herausforderung, ihre Rolle als globale Schutzinstanz zu stärken. Solange einige Staaten an der kommerziellen Jagd festhalten – wie Norwegen, Island und Japan –, bleibt der Walschutz ein umstrittenes und politisch aufgeladenes Thema.
Die Schweiz und ihr umstrittenes Verhalten
Ein weiterer Kritikpunkt der Konferenz war das Verhalten der Schweiz. Das Land hatte eine Resolution zum Schutz von Delfinen und Kleinwalen eingebracht, diese jedoch kurz vor der Verhandlung zurückgezogen. Die Meeresschutz-Expertin Mona Schweizer von Pro Wildlife bezeichnete dies als „schweren Schlag für den Artenschutz“ und kritisierte, dass die Resolution problemlos eine Mehrheit gefunden hätte. Die Gründe für den Rückzug blieben unklar, doch Umweltorganisationen vermuten politische oder wirtschaftliche Motive hinter der Entscheidung.