Der Fall Daniela Klette: Juristische Aufarbeitung des RAF-Erbes und die Kontroversen um das Urteil
Die RAF und ihre dritte Generation
Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine der bekanntesten terroristischen Organisationen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Von den 1970er bis in die 1990er Jahre verübte die RAF zahlreiche Anschläge, Morde und Entführungen. Die Gruppe sah sich im bewaffneten Kampf gegen den „imperialistischen Staat“. Daniela Klette gehörte zur sogenannten dritten Generation der RAF, die nach der offiziellen Auflösungserklärung 1998 weiterhin im Untergrund aktiv blieb.
Der Prozess in Verden: Anklage und Urteil
Vor dem Landgericht Verden stand Daniela Klette wegen einer Serie von Raubüberfällen zwischen 1999 und 2016 vor Gericht. Die Anklage warf ihr vor, gemeinsam mit den noch flüchtigen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub acht schwere Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verübt zu haben. Die Beute belief sich auf über zwei Millionen Euro. Das Gericht verurteilte Klette zu 13 Jahren Haft wegen schweren Raubes, versuchten schweren Raubes, Verstößen gegen das Waffengesetz und anderer Delikte.
Kontroverse um den Vorwurf des versuchten Mordes
Ein zentraler Streitpunkt im Prozess war der Vorwurf des versuchten Mordes. Die Staatsanwaltschaft hatte diesen im Zusammenhang mit einem Überfall auf einen Geldtransporter 2015 in Stuhr bei Bremen erhoben. Drei maskierte Täter schossen auf den Transporter und versuchten, die Türen zu öffnen. Der Fahrer hatte Todesangst, doch die Täter konnten keine Beute machen. Während die Staatsanwaltschaft hier einen versuchten Mord sah, folgte das Gericht der Einschätzung der Nebenklage und wertete die Tat als versuchten schweren Raub.
Leben im Untergrund und die Rolle der Raubüberfälle
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Raubüberfälle dazu dienten, das Leben im Untergrund zu finanzieren. Klette wurde nach jahrzehntelanger Flucht Ende 2024 in Berlin festgenommen. In ihrer Wohnung fanden die Ermittler ein umfangreiches Arsenal: Waffen, Munition, eine Panzerfaust-Attrappe, gefälschte Ausweise, Perücken und 240.000 Euro Bargeld. Diese Funde deuten darauf hin, dass Klette und ihre Komplizen sich auf ein Leben in der Illegalität vorbereitet hatten.
Möglicher weiterer Prozess und historische Aufarbeitung
Klette droht ein weiterer Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, an drei Anschlägen der RAF zwischen 1990 und 1993 beteiligt gewesen zu sein. Die Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung selbst ist zwar verjährt, doch die konkreten Taten könnten noch verfolgt werden. Dieser mögliche Prozess wirft Fragen nach der historischen Aufarbeitung des RAF-Terrors und der juristischen Bewältigung von Verbrechen auf, die Jahrzehnte zurückliegen.