Paradigmenwechsel in der amerikanischen Politik: Historische Midterm-Siege der Demokraten
Die Bedeutung der Midterms für die amerikanische Politik
Die jüngsten Midterm-Wahlen in den Vereinigten Staaten haben den Demokraten in mehreren Bundesstaaten historische Erfolge beschert. Diese Erfolge könnten die politische Landschaft nachhaltig verändern. Mit dem Begriff historisch sollte man zwar zurückhaltend umgehen. Doch angesichts der Ergebnisse in traditionell republikanischen Hochburgen wie Kansas oder Texas trifft er ausnahmsweise zu. Die Niederlage der Republikaner von Präsident Donald Trump nimmt mancherorts beispiellose Dimensionen an. Diese Wahlergebnisse markieren nicht nur personelle Veränderungen. Sie signalisieren auch einen potenziellen Paradigmenwechsel in der amerikanischen Politik. Die Wahlen fanden in einem politisch polarisierten Klima statt. Die Demokraten gewannen nicht nur in Swing States, sondern auch in konservativen Regionen.
Kansas und Texas: Symbolische Siege in republikanischen Bastionen
In Kansas beendete der Demokrat Adam Hamilton eine Serie von 94 Jahren, in denen kein demokratischer Senator mehr gewählt worden war. Der Gründer und Pastor der methodistischen Church of the Resurrection setzte sich gegen den von US-Präsident Trump unterstützten Kandidaten Roger Marshall durch. Dies war die längste Serie dieser Art in den gesamten USA und beendete die Dominanz der Republikaner im landwirtschaftlich geprägten Mittleren Westen. Hamilton, der politischer Neuling ist, begründete seine Kandidatur damit, dass die Verfassung derzeit unter Beschuss stehe. Auch in Texas, das seit Jahrzehnten als sichere Bank für die Republikaner galt, erzielten die Demokraten bemerkenswerte Erfolge. James Talarico gewann den Senatssitz und wird mit 37 Jahren der jüngste Senator der USA. Der frühere Lehrer setzte sich gegen den von Trump unterstützten Ken Paxton durch, dessen Wahlkampf von Elon Musk mit mehr als 150 Millionen Dollar unterstützt wurde. Talarico erhielt dagegen Unterstützung aus der Familie der früheren Präsidenten George W. Bush und George H.W. Bush. Vor den Wahlen hatten 26 Bundesstaaten einen republikanischen Gouverneur.
Vielfalt in der Gouverneursriege
Bei der Gouverneurswahl in Texas setzte sich die 52-jährige Gina Hinojosa gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott durch. Sie wird damit die erste Latina sowie die erste Demokratin seit Ann Richards im Jahr 1990 an der Spitze des südlichen Bundesstaats. Menschen mit Wurzeln in Lateinamerika machen knapp 41 Prozent der Bevölkerung in Texas aus. In Georgia wurde Keisha Lance Bottoms die erste schwarze Frau und zugleich die erste Frau überhaupt in der Geschichte der USA, die als Gouverneurin amtiert. Die ehemalige Bürgermeisterin von Atlanta setzte sich gegen den Geschäftsmann Rick Jackson durch, obwohl die Republikaner deutlich mehr Geld ausgegeben hatten. Jackson hatte mehr als 200 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen investiert. Bottoms ist die erste Demokratin seit 1998, die in Georgia eine Gouverneurswahl gewann. Neben ihr wurde Jon Ossoff als erster jüdischer Senator wiedergewählt. Raphael Warnock amtiert weiterhin als erster schwarzer Senator des Bundesstaats.
Indigene Vertreter und LGBTQ-Repräsentation im Kongress
Weitere historische Premieren ereigneten sich in Michigan, New Mexico, Minnesota und New Hampshire. In Michigan wurde Abdul El-Sayed, Sohn ägyptischer Einwanderer und Mediziner, zum ersten muslimischen Senator gewählt. Er erhielt Unterstützung von prominenten Vertretern des linken Flügels, darunter Alexandria Ocasio-Cortez. In New Mexico wurde Deb Haaland, die unter Präsident Biden als erste indigene Frau ein Ministeramt bekleidete, zur ersten indigenen Gouverneurin gewählt. In Minnesota zog Peggy Flanagan als erste indigene Frau in den Senat ein. In New Hampshire verteidigte Chris Pappas sein Mandat gegen John Sununu und wird damit der erste offen schwule Senator. Zudem könnten die Demokraten im Repräsentantenhaus erstmals mehr als 100 Frauen entsenden, ein Zuwachs von über 60 Prozent. Hakeem Jeffries könnte als erster Schwarzer zum Vorsitzenden des Hauses gewählt werden. Erstmals seit rund 15 Jahren stellen die Demokraten wieder die Mehrheit der Gouverneure, mindestens 28 der 50 Posten.