Die Auswahl des Literaturnobelpreisträgers: Ein komplexer Prozess
Die Nominierung: Wer darf vorschlagen?
Der Literaturnobelpreis ist einer der prestigeträchtigsten Preise der Welt. Die Verantwortung für die Vergabe liegt bei der Schwedischen Akademie, die aus 18 Mitgliedern besteht. Jedes Jahr im September verschickt das Nobelkomitee der Akademie Formulare an eine ausgewählte Gruppe von Personen. Dazu gehören Professoren für Literatur und Sprachwissenschaft, frühere Literaturnobelpreisträger sowie Vorsitzende von Autorenverbänden, die in ihren Ländern repräsentativ sind. Diese Personen dürfen Vorschläge einreichen.
Der Auswahlprozess: Von 200 Namen zu einem Gewinner
Die Liste der Nominierten kann bis zu 200 Namen umfassen. Das Nobelkomitee fügt manchmal auch Namen hinzu, die bereits in früheren Jahren vorgeschlagen wurden. Im Frühjahr wählt das Komitee in einem mehrstufigen Prozess fünf Namen aus, die der Akademie vorgelegt werden. Über den Sommer lesen die Mitglieder der Akademie die Werke dieser Autoren und diskutieren intensiv. Anfang Oktober wird schließlich der Gewinner bekannt gegeben. Die Kriterien, nach denen die Akademie ihre Entscheidung trifft, bleiben jedoch geheim.
Die Geheimhaltung und ihre Gründe
Wer nominiert wurde und den Preis nicht erhalten hat, erfährt die Öffentlichkeit erst 50 Jahre später. Diese lange Geheimhaltung soll sicherstellen, dass der Auswahlprozess nicht durch äußere Einflüsse gestört wird. Der Blick in die Archive zeigt, dass zwischen der ersten Nominierung und der最终en Auszeichnung oft viele Jahre vergehen können. So wurde die britische Schriftstellerin Doris Lessing erst 35 Jahre nach ihrer ersten Nominierung ausgezeichnet.
Kriterien für die Auszeichnung
Alfred Nobel bestimmte in seinem Testament, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der "das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat". Diese vage Formulierung lässt viel Raum für Interpretationen. Die Forschungsdirektorin Gisèle Sapiro erklärt, dass die Akademie anspruchsvolle Literatur auszeichnen möchte, die einflussreich ist und möglicherweise eine neue literarische Strömung begründet hat. Ein weiteres Kriterium ist die Universalität des Werkes, das über die eigene Kultur hinausreichen soll. Ein wichtiger Indikator dafür sind Übersetzungen, insbesondere ins Englische, Französische und Deutsche. Fast alle Preisträger seit 1990 wurden zuvor in diese Sprachen übersetzt.