Die Herausforderungen des Schienenverkehrs in den USA
Der Boom des Zugfahrens
In den letzten zwei Jahren erleben Zugreisen in den USA einen Aufschwung. Immer mehr Menschen entscheiden sich für die Bahn, weil die Preise für Benzin und Flugtickets gestiegen sind. Zugfahren ist oft günstiger und umweltfreundlicher. Doch trotz der steigenden Nachfrage bleibt das Schienennetz in den USA hinter dem Standard anderer Industrienationen zurück. Viele Städte haben schlechte Bahnverbindungen, und Hochgeschwindigkeitszüge sind eine Seltenheit.
Das Schienennetz: Güter vor Personen
Die USA verfügen über das größte Schienennetz der Welt. Doch dieses Netz wurde vor allem für den Güterverkehr optimiert. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts investierte die Regierung vor allem in Autobahnen und Flughäfen. Der Personenverkehr auf der Schiene galt nicht als öffentliche Aufgabe. Das zeigt sich heute: Die meisten Gleise sind für schwere Güterzüge gebaut, nicht für schnelle Personenzüge. Ein Beispiel ist der Nordostkorridor von Amtrak zwischen Boston und Washington D.C. Die Strecke ist etwa 735 Kilometer lang, doch die Züge brauchen sieben Stunden. In Italien legen Hochgeschwindigkeitszüge eine ähnlich lange Strecke in weniger als fünf Stunden zurück.
Das gescheiterte Projekt in Kalifornien
Ein ehrgeiziges Projekt sollte Kalifornien eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Los Angeles und San Francisco bringen. Die 1287 Kilometer lange Strecke sollte in weniger als drei Stunden bewältigt werden. Doch das Projekt verzögert sich seit Jahren. Die Kosten stiegen von ursprünglich 33 Milliarden auf über 100 Milliarden Dollar. Viele Anwohner wehren sich gegen die neue Trasse. Jetzt soll die Strecke erst 2038 fertig sein. Kritiker nennen das Projekt den "Zug ins Nirgendwo".
Klimaschutz und die Bahn
Ein modernes Schienennetz könnte nicht nur das Reisen erleichtern, sondern auch dem Klimaschutz dienen. Elektrische Züge verursachen deutlich weniger Emissionen als Autos oder Flugzeuge. Doch der Aufbau eines effizienten Personenverkehrs auf der Schiene ist teuer. Experten wie Alon Levy vom Marron Institute der New York University kritisieren, dass die USA zu wenig von anderen Ländern lernen. Statt eigene Lösungen zu entwickeln, sollten bewährte Technologien aus Europa und Asien übernommen werden.