"GenZ regelt": Massenproteste der jungen Generation gegen politische Ignoranz
Bild: Orrling · Quelle · CC BY-SA 3.0
Politik

"GenZ regelt": Massenproteste der jungen Generation gegen politische Ignoranz

Die Initiative formiert sich

In mehr als 30 deutschen Städten haben junge Menschen für den 31. Oktober bundesweite Demonstrationen angekündigt. Die Initiative "GenZ regelt", deren Vertreter aus Köln, München, Frankfurt und Berlin stammen, möchte ihrer wachsenden Unzufriedenheit und ihren Zukunftsängsten Ausdruck verleihen. Steve, einer der Sprecher der Gruppe, bringt die Stimmung auf den Punkt: "Wir haben die Nase voll und wir haben uns kollektiv entschieden, am 31.10. zu demonstrieren. Wir werden unser Grundrecht zur Versammlung so lange wahrnehmen, bis sie aufhören, uns zu ignorieren." Mit über 160.000 Anmeldungen auf der Homepage der Initiative zeichnet sich eine breite gesellschaftliche Bewegung ab. Viele Jugendliche fühlen sich seit Jahren von der Politik übersehen. Für viele von ihnen ist es das erste Mal, dass sie auf die Straße gehen. Die Gruppe organisiert die Proteste in den Städten, die sie direkt vertritt, während in gut 30 weiteren Städten assoziierte Demonstrationen stattfinden.

Systemversagen im Bildungssystem

Die 17-jährige Marie Hacker aus Köln, die sich in der Landesschülervertretung engagiert und bereits bei Fridays for Future aktiv war, kritisiert den katastrophalen Zustand des deutschen Bildungssystems. Sie beschreibt eine alltägliche Realität, in der Schüler in überfüllten Klassenräumen sitzen, akuter Lehrermangel herrscht und Schulgebäude nicht renoviert werden, sodass manche Jugendliche sogar in Containern unterrichtet werden. "Wie wir in überfüllten Klassenräumen sitzen, es gibt Lehrermangel, die Gebäude werden nicht renoviert, wir sitzen in Containern - da merkt man akut gerade, dass nicht auf uns gehört wurde", schildert sie die Situation. Laut einer IW-Studie aus dem vergangenen Jahr fallen in Deutschland lediglich 9,2 Prozent der Gesamtausgaben auf den Bildungssektor, während die nordischen Länder 12,4 Prozent und der EU-Schnitt 9,6 Prozent betragen.

Ökonomische Existenzängste

Der 25-jährige Maximilian Kisters, der in Düsseldorf Philosophie studiert und sich bei den Linken engagiert, beteiligt sich ebenfalls an den Protesten, da ihn neben dem Bildungssystem vor allem die wirtschaftlichen Perspektiven junger Erwachsener beunruhigen. In Düsseldorf kostet ein WG-Zimmer mittlerweile durchschnittlich 563 Euro im Monat, was zusammen mit gestiegenen Lebenshaltungskosten und einem spürbaren Stellenabbau in der Wirtschaft viele junge Menschen schwer belastet. "Mir ist nicht klar, wie das funktionieren soll, eine Arbeit zu finden", äußert er seine Sorge bezüglich des Einstiegs ins Erwerbsleben. Bildungsforscher sehen darin einen zusätzlichen Druck, der es in diesem Ausmaß bei früheren Generationen nicht gegeben hat.

Strukturelle Benachteiligung der Jugend

Die Bildungs- und Jugendforscherin Nina Kolleck hält die Forderungen der Demonstrierenden für absolut legitim und verweist auf einen über Jahrzehnte aufgebauten Frust. Sie erklärt, dass das Bildungssystem sich seit langem verschlechtere und die diesjährigen PISA-Ergebnisse einen großen Schock ausgelöst haben, da die Leistungen der 15-Jährigen in Mathematik und Lesen erneut gesunken sind und rund jeder Dritte das Mindestniveau verfehlt. Kolleck führt die mangelnde Berücksichtigung jugendlicher Belange in der Politik auch auf demografische Faktoren und das Wahlrecht zurück: Da junge Menschen an der Wahlurne weniger Gewicht haben, fokussierten sich die Parteien der demokratischen Mitte auf ältere Wähler. Doch dieses Kalkül könnte nach hinten losgehen, warnt die Forscherin, da der Frust der Jugend immer größer werde und die Sorge wachse, das Land verlassen zu müssen.

Dieser Text greift Themen und Fakten aus einer Quelle auf und gibt sie in eigenen Worten wieder, angepasst an Sprachniveau C1.

Lizenz des Textes und des Quiz: CC BY-NC 4.0

Text bewerten: Kommentieren:
Teilen:

Quiz

Mehrere Antworten pro Frage können richtig sein.

  1. 1. Wann finden die Demonstrationen statt?
  2. 2. Wie viele Anmeldungen gab es auf der Homepage?
  3. 3. Was kostet ein WG-Zimmer in Düsseldorf?
  4. 4. Wie viel Prozent gibt Deutschland für Bildung aus?
  5. 5. Was sagt Nina Kolleck über die Politik?
Quiz bewerten: Kommentieren:

Weiterlesen

B2 Sprachniveau ändern C2