Huda Khayti und die schwierige Suche nach Gerechtigkeit in Syrien
Ein Leben im Schatten des Krieges
Huda Khayti, eine syrische Frauenrechtsaktivistin, hat in Ost-Ghouta einen Chemiewaffenangriff des Assad-Regimes überlebt. Ihr Bruder wurde durch Bomben getötet, ihr Zuhause und ihre Frauenzentren zerstört. Nach ihrer Flucht nach Idlib kehrt sie heute regelmäßig nach Duma zurück, um ein neues Frauenzentrum aufzubauen. "Ghouta bedeutet mir emotional sehr viel", sagt sie. Doch die Spuren des Krieges – zerstörte Häuser und traumatisierte Menschen – sind allgegenwärtig.
Ein Urteil mit begrenzter Wirkung
Mitte August verurteilte ein Gericht in Damaskus den früheren syrischen Machthaber Baschar al-Assad und weitere hochrangige Vertreter seines Regimes in Abwesenheit zum Tode. Das Urteil umfasst Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie vorsätzlichen Mord, Folter und Freiheitsberaubung. Viele Syrer*innen feierten das Urteil als wichtigen Schritt. "Die Menschen waren sehr glücklich", sagt die Medienexpertin Lina Chawaf. Doch die Frage bleibt: Wird Assad jemals zur Rechenschaft gezogen? Ein Auslieferungsabkommen zwischen Syrien und Russland existiert zwar, doch eine Auslieferung Assads gilt als unwahrscheinlich.
Übergangsjustiz: Mehr als nur Strafverfolgung
Die Aufarbeitung der Verbrechen des Assad-Regimes erfordert mehr als nur die Verurteilung einzelner Täter. Übergangsjustiz umfasst auch die Suche nach Vermissten, die Aufklärung von Verbrechen, Wiedergutmachung und institutionelle Reformen. Rana Sheikh-Ali von der Peace Circuit Foundation betont: "Ein zentraler Bestandteil von Übergangsjustiz ist, die Opfer ins Zentrum zu stellen." Doch die Dimension der Verbrechen ist enorm: Über 234.000 getötete Zivilisten, 181.000 Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen und 45.000 Todesfälle durch Folter.
Die Rolle der Opfer in der Aufarbeitung
Für Huda Khayti bedeutet die Forderung nach Gerechtigkeit auch, das Erlebte immer wieder zu thematisieren. "Es fällt mir schwer, darüber zu reden", sagt sie. Dennoch ist es wichtig, die Geschichten der Opfer zu hören. Die Nationale Kommission für Vermisste Personen hat das Programm "Athar" gestartet, um Familien bei der Suche nach verschwundenen Angehörigen zu unterstützen. Doch die Aufarbeitung steht noch am Anfang. Sophie Bischoff von Adopt a Revolution kritisiert, dass bisher vor allem zivilgesellschaftliche Organisationen die Verbrechen dokumentiert haben. "Eine systematische staatliche Erfassung steht noch aus."