Die Auseinandersetzung zwischen Kirchen und AfD in Sachsen-Anhalt: Ein Kampf um Werte und Demokratie
Kirchen als Mahner in einer säkularen Gesellschaft
In Sachsen-Anhalt, einem Bundesland mit einer der höchsten Konfessionslosenquoten Deutschlands, übernehmen die Kirchen eine zentrale Rolle als demokratische Mahner. Vor der Magdeburger Kathedrale wehen Fahnen mit den Aufschriften „Nächstenliebe“, „Dialog“, „Menschenwürde“ und „Solidarität“. Diese Symbole stehen für den Aufruf der Kirchen, bewusst zu wählen – insbesondere angesichts der bevorstehenden Landtagswahl, bei der die AfD in Umfragen mit Abstand führt. Der Verfassungsschutz hat den AfD-Landesverband als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft.
Die AfD und ihr Angriff auf die Kirchen
Die AfD hat in ihrem Regierungsprogramm einen umfassenden Angriff auf die Kirchen formuliert. Sie fordert die Streichung aller staatlichen Zahlungen an die evangelische und katholische Kirche, die Beendigung des Kirchensteuereinzugs durch staatliche Behörden sowie finanzielle Sanktionen für Kirchenasyl. Zudem soll die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt keine staatliche Förderung mehr erhalten, da sie sich laut AfD für „Klimadoktrin, Genderismus und Regenbogenkult“ einsetze. Diese Forderungen sind Teil einer gezielten Strategie, die Kirchen als politische Akteure zu diskreditieren.
Völkischer Nationalismus und christliche Werte
Bischof Gerhard Feige kritisiert die AfD scharf und bezeichnet ihre Politik als völkischen Nationalismus. In einer Predigt vor 3000 Gläubigen warnte er vor einer Wahl „ins Blaue hinein“ – eine Anspielung auf die Parteifarbe der AfD. Feige verweist auf Wahlplakate mit Slogans wie „Rettet euer Land“ oder „Holt euch euer Land zurück“ und sieht darin eine gefährliche Rhetorik. Die AfD fordere zudem die Wiedereinführung des Fahnenappells an Schulen, eine Praxis, die an die NS-Zeit und die DDR erinnere.
Die Kirchen zwischen politischem Engagement und christlicher Botschaft
Die evangelische und katholische Kirche betonen, dass ihre Kritik nicht parteipolitisch motiviert ist, sondern auf christlichen Werten basiert. Bischof Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, erklärt: „Unsere Mahnungen sind zunächst keine politischen, sondern christliche Botschaften.“ Die Kirchen warnen vor den Folgen einer AfD-Regierung, die sie als „brachial“ bezeichnen. Kramer und Feige sehen in der AfD eine Partei, die mit messianischen Versprechungen wie „Es wird alles gut“ wirbt, während sie gleichzeitig rechtsextreme Positionen vertritt.
Religionsfreiheit und die AfD: Ein selektives Verständnis
Das Regierungsprogramm der AfD offenbart ein selektives Verständnis von Religionsfreiheit. Während die Partei betont, die „Religionsfreiheit auf angemessene Maßstäbe zurückführen“ zu wollen, bezeichnet sie den Islam als „kulturfremde Religion“. Juden und jüdisches Leben werden im Programm nicht erwähnt. Die AfD wirft den Kirchen vor, ihren „christlichen Auftrag“ nicht zu erfüllen, und erinnert damit an die Unterstützung, die US-Präsident Donald Trump von evangelikalen Gruppen erhielt. Allerdings gibt es in Sachsen-Anhalt kaum vergleichbare religiöse Milieus.