Musik als Dialog: Das Campus-Projekt 2026 und die Verbindung zwischen Deutschland und Georgien
Ein Projekt mit Vision
Das Campus-Projekt des Beethovenfests Bonn hat seit seiner Gründung im Jahr 2001 junge Musiker aus Deutschland mit Nachwuchstalenten aus Ländern in gesellschaftlichen oder politischen Transformationsprozessen zusammengebracht. In diesem Jahr steht Georgien im Fokus, ein Land, das kulturell eng mit Europa verbunden ist, aber gleichzeitig von politischen Spannungen geprägt wird. Rund 20 Musiker des Bundesjugendorchesters und des Bundesjugendchores reisen nach Tiflis, um dort mit georgischen Musikern an einem gemeinsamen Konzertprogramm zu arbeiten.
Musikalische und kulturelle Annäherung
Das Ziel des Projekts ist es, musikalische Traditionen beider Länder miteinander zu verbinden. Die Musiker stehen dabei vor der Herausforderung, einen gemeinsamen Klang zu finden. Mirian Khukhunaishvili, der künstlerische Leiter des Projekts, betont: „Wir Georgier gelten als heißblütige Südländer mit ungezügelten Emotionen. Doch wenn man deutsche Musik hört, versteht man, dass auch die Menschen dort voller Emotionen sind. Es gibt nur unterschiedliche Herangehensweisen, wie man diese Emotionen zeigt.“
Ein besonderer Schwerpunkt des Programms ist ein neues Arrangement des georgischen Komponisten Mika Mdinaradze. Er verbindet Beethovens Chor „Europa steht!“ aus der Kantate „Der glorreiche Augenblick“ mit traditionellen georgischen Liedern. Mdinaradze beschreibt sein Werk als „ein Klangmodell von Europa, ein Dialog statt erzwungener Einheit“. Diese Komposition soll die kulturelle Identität beider Länder bewahren und gleichzeitig eine Brücke zwischen ihnen schlagen.
Gesellschaftliche Dimension des Projekts
Für viele Beteiligte geht das Projekt über die Musik hinaus. Khukhunaishvili erklärt: „In unserem Konzert geht es um die geopolitische Realität, in der wir leben. Wir wollen unsere Hoffnung auf Europa zeigen, nicht nur die Hoffnung, irgendwo beizutreten, sondern dass dies unsere gemeinsame Heimat ist.“ Die Musiker betonen, dass Georgien die westeuropäischen Werte der Menschenrechte teilt. Das Konzert soll ein Zeichen der Solidarität und der kulturellen Verbundenheit sein.
Ein junges Ausnahmetalent
Ein Highlight des Projekts ist der 17-jährige georgische Komponist und Pianist Tsotne Zedginidze. Er ist der jüngste Auftragskomponist in der Geschichte des Campus-Projekts. Seine Komposition „Chmebi: Georgian Fantasia“ verbindet uralte georgische Folklore mit moderner Harmonik und feurigen Volkstänzen. Zedginidze selbst wird bei der Uraufführung in Bonn und Berlin am Klavier sitzen. Die bekannte Geigerin Lisa Batiashvili, die das Projekt unterstützt, sagt: „In den vergangenen zwanzig Jahren durfte ich erleben, wie die Freundschaft zwischen Deutschland und Georgien gewachsen ist. Besonders schön ist es zu sehen, wie junge Musikerinnen und Musiker beider Länder gemeinsam musizieren, voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren.“