Mehr blaues Licht im Pazifik
Das Plastik im Nordpazifik
Im Gebiet des Great Pacific Garbage Patch zwischen Kalifornien und Hawaii sammeln sich durch Meeresströmungen große Mengen Kunststoffabfälle. Das Areal erstreckt sich über rund 1,6 Millionen Quadratkilometer und enthält etwa 80.000 Tonnen Plastik. Zwischen den Jahren 2002 und 2022 beobachteten Satelliten aus dem All eine allmähliche Aufhellung des Wassers in diesem Bereich. Die Menge des registrierten blauen Lichts nahm dort um ungefähr zehn Prozent zu, die des grünen Lichts um zwei bis vier Prozent. Drei voneinander unabhängige Datensätze zeigten diese Zunahme, auch wenn sie sich in der genauen Stärke der Aufhellung voneinander unterschieden.
Die Forschung aus Norwegen
Ein internationales Team um Shea Ann Cheatham von der Universität Bergen in Norwegen wertete die Satellitendaten aus. Die Forscher verglichen die Beobachtungen mit verschiedenen Modellrechnungen. Diese bildeten sowohl natürliche Veränderungen durch Algen und andere Schwebstoffe als auch die Wirkung zusätzlicher Mikroplastikpartikel auf die Lichtreflexion nach. Dabei war die beobachtete gemeinsame Aufhellung im blauen und grünen Bereich mehr als viermal so wahrscheinlich, wenn die Berechnungen Mikroplastik einbezogen. Das ist ein starker Hinweis auf einen möglichen Einfluss der Kunststoffteilchen, beweist aber noch keine direkte Ursache.
Noch kein endgültiger Beweis
Die neuen Satellitenmessungen erfassen lediglich ein verändertes Lichtsignal und identifizieren keine einzelnen Kunststoffpartikel. Denn auch Schwankungen bei Algen, natürlichen Schwebstoffen und anderen Bestandteilen des Meerwassers können dessen Farbe beeinflussen. Deshalb bleibt die Aufhellung ein möglicher Fingerabdruck der Plastikbelastung, aber kein direkter Nachweis einer zunehmenden Mikroplastikmenge. Frühere Labormessungen haben gezeigt, dass viele kleine Plastikpartikel vergleichsweise wenig Licht absorbieren, aber relativ viel Licht zurückstreuen. Um den Zusammenhang endgültig zu klären, müssten die Farbveränderungen mit unabhängigen Messungen der Partikelkonzentration im Wasser abgeglichen werden.