Nordkoreas wirtschaftlicher Aufschwung: Zwischen Modernisierung und internationaler Isolation
Die Transformation Pjöngjangs
Nordkorea, lange Zeit ein Land der Dunkelheit, erlebt seit 2020 eine bemerkenswerte Veränderung. Satellitenbilder zeigen, dass die beleuchtete Fläche im Zentrum der Hauptstadt Pjöngjang sich mehr als verdoppelt hat, während die Helligkeit auf das Dreifache angestiegen ist. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Maßnahmen des nordkoreanischen Regimes unter Kim Jong Un. Der Machthaber hat die Stromversorgung neuer Straßen und Wohnanlagen priorisiert, um die Errungenschaften seines Regimes zu präsentieren. Besonders symbolträchtig sind die neuen Hochhausviertel, wie das Viertel Hwasong, dessen Apartmentblocks an Interkontinentalraketen erinnern.
Wirtschaftlicher Aufschwung und internationale Wahrnehmung
Pjöngjang wirkt heute moderner als je zuvor. Die Stadt verfügt über importierte Autos, darunter Elektrofahrzeuge aus China, sowie über Smartphone-Apps für mobile Zahlungen und Taxidienste. Kaufhäuser bieten westliche Mode- und Kosmetikmarken an. Neben den neuen Wohnanlagen hat das Regime auch das größte Krankenhaus des Landes sowie ein Gewächshaus von der Größe des New Yorker Central Parks fertiggestellt. An der Ostküste eröffnete Kim Jong Un im Juni 2025 das fünf Kilometer lange Strandresort Wonsan-Kalma, das Platz für 20.000 Gäste bietet. Diese Entwicklungen haben sogar das Wall Street Journal dazu veranlasst, Nordkorea als "die größte wirtschaftliche Erfolgsstory der Welt" zu bezeichnen.
Finanzierung durch Kriegsgeschäfte
Der plötzliche wirtschaftliche Aufschwung Nordkoreas ist eng mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verknüpft. Laut einem Bericht des südkoreanischen Institute for National Security Strategy (INSS) verdiente Nordkorea zwischen 2022 und 2025 durch Munitionsverkäufe an Russland und die Entsendung von Truppen zwischen 7,7 und 14,4 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich schickte Nordkorea bis zu 22.000 Soldaten an die Front, um die Ukraine aus der Grenzprovinz Kursk zurückzudrängen. Für jeden Soldaten erhält das Regime monatlich 2.800 US-Dollar, für Offiziere 3.000 US-Dollar. Selbst für gefallene Soldaten gibt es Zahlungen von bis zu 10.000 US-Dollar.
Weitere Einnahmequellen und ihre Auswirkungen
Neben den Kriegsgeschäften generiert Nordkorea Einnahmen durch Handel mit China, den Verleih von Arbeitskräften ins Ausland sowie durch Internetkriminalität. Ein Beispiel ist der Hackerangriff auf die Kryptowährungsplattform Bybit im Februar 2025, bei dem mutmaßlich nordkoreanische Hacker 1,5 Milliarden US-Dollar erbeuteten. Diese finanziellen Mittel ermöglichen es dem Regime, nicht nur die Hauptstadt zu modernisieren, sondern auch militärische Projekte voranzutreiben, wie den Bau von zwei 5.000-Tonnen-Zerstörern.
Soziale Ungleichheit und regionale Entwicklungsprojekte
Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs profitiert nicht die gesamte Bevölkerung von den Veränderungen. Steigende Nahrungsmittelpreise und die Abwertung der Landeswährung Won treffen vor allem schlecht gestellte Haushalte. Kim Jong Un hat zwar ein regionales Entwicklungsprogramm namens "20x10" ins Leben gerufen, das die Schaffung von 200 Industrieprojekten in 20 Städten oder Landkreisen über zehn Jahre vorsieht. Experten wie der Nordkorea-Kenner Andrey Lankov bezweifeln jedoch den Erfolg dieser Projekte, da sie auf veralteten planwirtschaftlichen Prinzipien basieren und oft an mangelnder Infrastruktur scheitern.