Ökumene in der Praxis: Wie Katholiken und Protestanten eine Kirche teilen
Eine Kirche für zwei Konfessionen
In Mannheim-Neuostheim steht die Kirche St. Pius. Sie ist ein besonderes Beispiel für Ökumene in Deutschland. Katholiken und Protestanten nutzen dieses Gotteshaus gemeinsam. Sie feiern zusammen Gottesdienste, Abendmahl und Eucharistie. Das ist nicht selbstverständlich. Normalerweise haben beide Konfessionen eigene Kirchen. Doch in St. Pius ist das anders.
Wie alles begann
Die Zusammenarbeit begann in den 1970er Jahren. Damals gab es bereits ökumenische Gottesdienste. Doch erst 2009 wurde aus der Zusammenarbeit eine feste Lösung. Die nahe evangelische Thomas-Kirche erlitt einen schweren Wasserschaden und musste aufgegeben werden. Die Protestanten zogen in die katholische Kirche St. Pius um. Was als Notlösung begann, entwickelte sich zu einer tiefen ökumenischen Freundschaft.
Simultankirchen in Deutschland
St. Pius ist nicht die einzige Kirche, die von mehreren Konfessionen genutzt wird. In Deutschland gibt es 65 sogenannte Simultankirchen. Diese Kirchen wurden nach der Reformation von weltlichen Herrschern für die gemeinsame Nutzung vorgeschrieben. Bekannte Beispiele sind der Altenberger Dom bei Köln und der Dom St. Petri in Bautzen. Heute entstehen neue Simultankirchen oft aus praktischen Gründen: Es gibt weniger Kirchenmitglieder, und viele Kirchengebäude werden nicht mehr gebraucht.
Ein neuer Altar für die Gemeinschaft
Von 2020 bis 2022 wurde St. Pius renoviert. Dabei entstand ein besonderer Altar. Er besteht aus zermahlenem Gestein der alten Altäre beider Kirchen. Der neue Altar symbolisiert die Verbindung zwischen Katholiken und Protestanten. Er ist glatt und rau zugleich – ein Zeichen für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Konfessionen.