Philippe Sands: Friedenspreis als Mahnung gegen Schweigen und für Völkerrecht
Philippe Sands: Ein Leben für Gerechtigkeit und Völkerrecht
Philippe Sands ist ein renommierter französisch-britischer Völkerrechtler und Autor. Als Professor am University College London hat er sich international einen Namen gemacht. Sands wurde vor allem durch seine literarischen Sachbücher bekannt, darunter „Rückkehr nach Lemberg“. In diesem Werk verbindet er die Geschichte seiner eigenen Familie mit der Aufarbeitung der Verbrechen während der deutschen Besatzung in der heutigen Ukraine. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Durchsetzung des Völkerrechts und die Aufklärung über historische und aktuelle Menschenrechtsverletzungen.
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Eine Würdigung
Am 11. Oktober 2026 wurde Sands in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis ehrt Persönlichkeiten, die sich durch ihr Wirken für Frieden und Verständigung einsetzen. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit Sands‘ unermüdlichem Engagement für Gerechtigkeit und die Einhaltung des Völkerrechts. An der Zeremonie nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesjustizministerin Stefanie Hubig.
Kritik an der deutschen Haltung: „Unanständiges Schweigen“
In seiner Dankesrede übte Sands scharfe Kritik an der deutschen Israel-Politik. Er warf Deutschland vor, durch „unanständiges Schweigen“ Völkerrechtsverletzungen zu tolerieren – insbesondere, wenn sie von befreundeten Staaten begangen werden. Sands betonte, dass die Benennung von Unrecht weder antisemitisch noch anti-israelisch sei, sondern schlicht der Wahrheit entspreche. Er kritisierte zudem die in Deutschland vorherrschende Tendenz, Debatten über Völkerrechtsverletzungen einzuschränken. Seiner Ansicht nach sollten Menschen, die solche Vergehen anprangern, nicht zum Schweigen gebracht oder bestraft werden.
Historische Verantwortung und ethnische Säuberung
Sands verwies darauf, dass viele Staaten Israel bereits wegen ethnischer Säuberungen in den besetzten Gebieten kritisiert haben. Er stellte die rhetorische Frage: „Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum dann das Schweigen?“ Damit appellierte er an die historische Verantwortung Deutschlands, sich klar gegen Völkerrechtsverletzungen zu positionieren – unabhängig davon, wer sie begeht. Sands betonte, dass eine echte Staatsräson darin bestehen müsse, das Schweigen zu brechen. Gleichzeitig verurteilte er die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 als schwere Verletzung des Völkerrechts. Er räumte jedoch ein, dass auch Israels Recht auf Selbstverteidigung Grenzen habe und sich am Völkerrecht orientieren müsse.
Ein Zeichen der Hoffnung
Die Laudatio hielt Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie bezeichnete Sands als „Nachkommen einer großen jüdischen Lemberger Familie“ und als „einen der wichtigsten Völkerrechtsexperten unserer Zeit“. Dass er den Friedenspreis erhalte, sei „nicht weniger als ein Anlass zur Hoffnung“. Sands beendete seine Rede mit einem Zitat aus Leonard Cohens „Anthem“, das die Zuhörer als symbolischen Aufruf zu mehr Mut und Offenheit verstanden. Die Veranstaltung unterstrich einmal mehr die Bedeutung des Völkerrechts als Grundlage für Frieden und Gerechtigkeit in einer zunehmend polarisierten Welt.